Arzneimittelsicherheit

Uni entwickelt Medikationsplan-App

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Berlin -

Der Medikationsplan auf Papier wurde immer wieder als anachronistisch kritisiert. An der Universität Leipzig arbeiten Wissenschaftler nun an einer mobilen Variante, die unter anderem als App verfügbar sein soll. Apotheker, Ärzte und Patienten sollen mit dem Programm Rezepte, Arztbriefe oder Arzneimittelpackungen einlesen und direkt in den Plan integrieren können.

Das Projekt „AMME – Semantische Integration von Medikationsplänen unterschiedlicher Struktur“ läuft seit Mitte 2015 und wird bis Juni 2017 vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) gefördert. An dem Projekt sind nicht nur Mitarbeiter des Instituts für Angewandte Informatik und der Abteilung für Betriebliche Informationssysteme der Universität Leipzig beteiligt, sondern auch ein Leipziger Softwareunternehmen, ein EDV-Dienstleister aus Markkleeberg und die Abteilung für Allgemeinmedizin der Universität.

Gemeinsam wollen die Projektpartner eine Softwarearchitektur entwickeln, mit der Informationen in den Medikationsplan eingebunden werden können. Das Programm soll Daten von Papierdokumenten oder Packungen einlesen und strukturieren. „Die Maschine muss verstehen, was die Medikation ist“, beschreibt die Projektverantwortliche Dr. Romy Elze die Herausforderung. Nicht nur Rezepte sollen erkannt werden, sondern auch andere Formulare wie Arzt- oder Entlassbriefe und Barcodes. „Wir versuchen, sämtliche Formate einlesen zu können“, erklärt Elze.

Unterstützt wird das Projekt auch von dem im Juli 2015 gegründeten Zentrum für Arzneimittelsicherheit (ZAMS), an dem die Universität Leipzig und das Uniklinikum beteiligt sind. Sie haben sich das Ziel gesetzt, neue Methoden gegen Medikationsfehler in der Praxis zu erproben und wissenschaftlich zu untersuchen.

Ein durchgängiger und lückenloser Medikationsplan bringt aus Sicht der Projektpartner unmittelbare Vorteile für den Patienten. Der sollte im Mittelpunkt des Informationsaustausches stehen: „Ohne eine intelligente Einbindung aller den Patienten behandelnden Stellen lässt sich gerade im Notfall kaum nachvollziehen, welche Medikation ein Patient aktuell erhält“, so Elze.

Die Daten sollen mithilfe der Software eingelesen und in den bundesweit einheitlichen Medikationsplan eingepflegt werden. Wie auch bei der Papiervariante geplant, sollen die Informationen in einem QR-Code verschlüsselt werden. Auf diese Weise sollen Ärzte, Apotheker oder Pflegedienste schnell auf die Daten zugreifen können.

Die App solle bis 2017 stehen, sagt Elze. Bis dahin müssen auch die Prozesse durchdacht sein. Offen ist etwa noch, wie sichergestellt werden kann, dass sich beim Einlesen keine Fehler einschleichen. Aus Sicht von Elze ist dafür eine Kontrolle durch einen Spezialisten nötig. Wie Patienten ohne Smartphone die Software nutzen können, ist noch genauso offen wie das Problem handschriftlich ausgestellter Rezepte. „Das ist eine große Herausforderung, der wir uns am Ende zuwenden“, sagt Elze.

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