Wo gemogelt wird, fallen Spähne

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Berlin - Ausgerechnet eine „Ehrenerklärung“ sollten die Unionsabgeordneten in der Maskenaffäre jetzt abgeben. Ob das so eine gute Idee ist in einer Partei, in der sich Altkanzler Kohl so nachhaltig auf sein „Ehrenwort“ gesetzt hat? Und mittendrin: Möchtegernkanzler Jens Spahn (CDU). Der scheint im Blätterwald endgültig zum Abschuss freigegeben zu sein – ob nun persönlich involviert in Deals oder nicht.

Um es klar zu sagen: Jens Spahn steht Stand heute nicht im Verdacht, sich persönlich bereichert zu haben. Gegen ihn wird auch nicht ermittelt. Aber dass die Masken-Affäre den Mindestabstand zum Minister jederzeit einhalten würde, kann man halt auch nicht sagen. Mal wird in einer Mail auf „JS“ verwiesen, mal direkt eine Absprache mit ihm ins Feld geführt. Und fast schon als Hobby stellen die Oppositionsparteien ihre Kleinen Anfragen zum Fiege-Deal – neuerdings sogar zu DocMorris.

Spahn ist abgebrüht genug, sich nicht allzu schnell provozieren zu lassen. Doch immer häufiger ist bei ihm dieser beleidigte Tonfall zu hören, wenn er direkt angegangen wird. Gestern etwa wurde er in der Bundespressekonferenz gefragt, WIE korrupt die CDU-Fraktion sei und ob für ihn selbst eigentlich ein Rücktritt infrage komme. Spahn verzieht keine Miene bei solchen Fragen, aber seine Augen werden sehr fest.

Er möchte dann gern daran „erinnern“, wie groß die Not damals war, als es keine Masken gab in den Krankenhäusern und Pflegeheimen. Dass die „allerallerallermeisten Kollegen“ nur Hinweise aus den Wahlkreisen weitergegeben hätten, um zu helfen. „Davon deutlich zu unterscheiden ist alles, was mit Bestechung, Korruption, Vorteilsnahme zu tun hat.“ Damit hat er natürlich recht. Aber er kommt eben auch aus einer Parteifamilie, in der noch immer als „wirtschaftsnah“ gelobt wird, was bei Tageslicht einfach nur korrupt zu nennen ist. Die Antwort die provokante Frage kursiert denn auch seit Tagen als böser Scherz im Netz: Ein Verweis auf die beunruhigend hohe und weiter steigende „Inzidenz“ der Korruption in der Unionsfraktion, bei unbekannter Dunkelziffer.

Zur Rücktrittsfrage sagt Spahn natürlich: gar nichts. Und zu dem ihn persönlich umkreisenden Logistikdeal knirscht er, dass damals eben keine Zeit gewesen sei für langwierige EU-Ausschreibungen. Und dann wechselt er sofort in die Offensive, das ist seine Strategie. Seinerzeit sei er angegangen worden, weil er auf Mails von Händlern gar nicht reagiert habe, heute dafür, dass er sich persönlich eingeschaltet habe. Jetzt bei den Schnelltests sei es wieder dasselbe, beklagt sich Spahn. Dieses „Wie man's macht, macht man's verkehrt“-Gejammer wirkt ziemlich underdressed für ein Kabinettsmitglied. Letzte Woche wollte er sich noch zur Kontaktbörse machen, nur damit sich anschließend die Anekdoten aus Gesprächsrunden häufen, in denen Spahn geradezu ausgerastet sein soll, weil er sich dafür nun wirklich nicht zuständig fühlt.

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