Spahns Unterschriftenmappe

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Berlin - Videokonferenzen machen es möglich, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seine Amtsgeschäfte auch aus der häuslichen (heißt das immer so?) Quarantäne weiterführen kann. Doch die Digitalisierung hat noch Grenzen, manches Schriftstück muss vom Minister persönlich gegengezeichnet werden. Das wollte sich offenbar ein geheimnisvoller unbekannter zu Nutze machen.

So viele Unterschriftenmappen sind es dann auch nicht, die vom berittenen Boten in Spahns Homeoffice gebracht werden. Daher war der dicke Stapel mit Vorlagen schon etwas merkwürdig. Vor allem die Inhalte: Ein Dekret zur sofortigen Demission des Präsidenten der Bundesärztekammer sollte Spahn unterzeichnen – dabei geht das selbst in Coronazeiten über seine Befugnisse. Und warum auch? Nur wegen dieses Maskenspruchs? Die Ärzte sind doch eh schon wieder auf Linie. Zerknüllt und in den Papierkorb damit.

Und was sollte das sein? Erweiterung der Maskenpflicht auf „immer und überall, denn nachts merkt man vielleicht nicht, ob man richtig Abstand hält“. Nun ja, strenge Regeln schön und gut, denkt der Minister, aber man darf es auch nicht übertreiben. Sonst leidet die Akzeptanz in der Bevölkerung – und das kann er sich nicht erlauben. Zack, weg damit. Regiert sich gut aus Homeoffice.

Änderungen am Apothekenstärkungsgesetz soll er plötzlich gegenzeichnen. Komisch: Die Sache mit der Temperaturkontrolle für ausländische Versender hatte ihm doch schon die CSU abgenötigt. Hoffentlich gibt das nicht noch Ärger. Aber das hier?

  • Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbots für Apotheken
  • Aufhebung der Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel
  • Evidenzbasierte Sicht- und Freiwahl
  • Nieder mit der Homöopathie

Spahn schüttelt verwirrt den Kopf. Das ist doch nicht von ihm, oder? Da klingelt das Telefon. Eben habe ein Unbekannter versucht, sich Zutritt zum Bundesgesundheitsministerium zu verschaffen. Mit einer Jens Spahn-Gesichtsmaske verkleidet habe er sich am Pförtner vorbeischleichen wollen. Als der Sicherheitsdienst ihn des Platzes verwies, habe er geschrien: „Aber ich bin der Minister! Ich will Gesundheitsminister sein!!“ Nachdenkliche Stille im Blauen Salon des Westflügels.

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