ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Botendienste müssen rückabgewickelt werden

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Berlin -

Das Botendiensthonorar steht auf der Kippe. Ob bis Oktober eine Ersatzlösung gefunden wird, ist mehr als fraglich. Und es könnte noch schlimmer kommen, wenn die Krankenkassen die Rückabwicklung bereits geleisteter Botendienste fordern.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gilt ja als besonders fleißiges Kabinettsmitglied. Er haut Gesetze und Verordnungen raus wie ein rappender Apotheker Rhymes. Da kann schon mal etwas daneben gehen. Zum Glück passen die Schießhunde im benachbarten Wirtschaftsministerium auf: Der Botendienst gehört natürlich nicht ins KRANKENHAUS-Zukunftsgesetz sondern ins APOTHEKEN-Stärkungsgesetz. Also wurde das Bringhonorar aus dem KHZG gestrichen und soll ins VOASG.

Das wäre weniger beunruhigend, wenn Minister Spahn nicht ausgerechnet bei der ersehnten Antwort auf das EuGH-Urteil von 2016 (!) eine gesetzgeberische Ladehemmung hätte. Jetzt droht den Apothekern die Lücke: Bis Ende September wird der Botendienst Corona-bedingt noch vergütet, ab Oktober gibt es nichts mehr, nicht einmal die läppischen 2,50 Euro.

Die Krankenkassen finden sowieso, dass mit dem Fixhonorar alles abgegolten ist, was Apotheken so an Gemeinwohlpflichten und Services für die Versicherten erbringen. Botendienst bezahlen – wozu? Mehr noch: Wenn der Gesetzgeber so offensichtlich das Interesse an dem Honorar verloren hat, denken die Kassen, war es noch nie angemessen. Also sollen die Apotheken das bereits geleistete Honorar zurückzahlen.

Und weil die Apotheker doch immer in jeder Retax-Verhandlung darauf pochen, dass erbrachte Leistung auch vergütet wird, darf nicht vergütete Leistung auch nicht erbracht worden sein. Schlussfolgerung: Die Botendienste müssen rückabgewickelt werden. Alle Arzneimittel werden honorar- und humorlos wieder eingesammelt, die Rezepte neu ausgestellt, eingereicht und abgerechnet – sofern noch Versorgungsbedarf besteht. Einverstanden?

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