Ab sofort: Zwei-Klassen-Botendienst

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Berlin -

Leider ist der Blutdrucksenker nicht vorrätig – was beim Kunden augenblicklich den Bedarf nach einer höheren Dosierung auslöst. Tja, neuer Rabattvertragspartner eben. „Aber es kommt am Nachmittag, wir können Ihnen das gerne bringen“, sagt der Apotheker. „Das heißt, Moment, das geht ja leider doch nicht…“

Der Kunde ist verwirrt. Von seiner Stammapotheke ist er den freundlichen Service eigentlich gewohnt. Der Apotheker erklärt es ihm: Er sei bei einer Ersatzkasse versichert und die seien gegen den Botendienst. „Die möchten nicht, dass wir uns an den 2,50 Euro bereichern“, erklärt der Apotheker.

Der Kunde ist verwirrt: „Wieso bereichern? Sie fahren doch bestimmt eine Viertelstunde mit dem Auto zu mir.“ Ja, das stimmt und deswegen fährt die Apotheke auch seit Einführung dieses üppigen Honorars auch keine einzige Tour mehr als früher. Aber da der Ersatzkassenverband sich jetzt dafür einsetzt, dass nur notwendige Botendienste erstattet werden sollen, fürchtet der Apotheker irgendwann Retaxationen, wenn er die Sonder-PZN bei einem mobilen 55-Jährigen aufdruckt.

Der Kunde ist verwirrt. Retaxationen? „Wenn unsere Leistung unwirtschaftlich ist, weil Sie selbst kommen könnten, lässt die Kasse mir einen Brief schicken, in dem sie mir ankündigt, dass sie mir 2,50 Euro von der nächsten Rechnung abzieht und wenn mein Widerspruch dagegen dann abgelehnt wird, lässt die Kasse mir einen zweiten Brief dieses Inhalts schicken und kürzt die nächste Abrechnung um 2,50 Euro.

Der Kunde ist verwirrt. „Aber das ist doch totaler Schwachsinn! Das ist doch alles viel teurer, als wenn Sie mir das eben bringen und dafür diese läppischen Zweifuffzig kriegen.“ Der Apotheker nickt: „Und deswegen wehre ich mich ja auch gegen diesen Schwachsinn“, erklärt er und bringt noch im Beisein des Kunden im Schaufenster Schild mit den Logos der Erstkassen an: „Wir müssen leider selber laufen.“ Der Kunde schmunzelt. Und seinen Blutdrucksenker bekommt er heute trotzdem gebracht. Darüber freut er sich so, dass er seiner Kasse einen gepfefferten Brief schreibt – 2,50 Euro in Briefmarken legt er zum Spaß bei.

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