WHO-Studie

So locken andere Länder Apotheker aufs Dorf Tobias Lau, 16.10.2019 09:03 Uhr

Berlin - Die Schere zwischen der Versorgungslage in den Städten und auf dem Land geht auseinander – das ist kein rein deutsches Phänomen. Verschiedene Länder gehen allerdings unterschiedliche Wege, um die flächendeckende Arzneimittelversorgung sicherzustellen. Eine kürzlich von der Weltgesundheitsorganisation veröffentlichte Studie gibt Einblick in regulatorische Gestaltungsmodelle mehrerer dutzend europäisch-asiatischer Staaten.

Um die 1300 Euro beträgt das monatliche Durchschnittseinkommen in Estland laut der Statistikbehörde des baltischen Staates. Ein Pharmazeut liegt auch dort über dem Gehaltsdurchschnitt der Gesamtbevölkerung – dennoch dürften auch für ihn 15.000 Euro eine ansehnliche Summe sein. So viel Geld erhält ein Apotheker dort nämlich vom Staat als Einmalzahlung, wenn er sich bereiterklärt, in einer Landapotheke zu arbeiten. Deren Definition ist gesetzlich festgeschrieben: Die Offizin muss mindestens 10 Kilometer von der nächsten Stadt entfernt sein, mindestens 5 Kilometer von der nächsten Apotheke und mindestens 30 Stunden an fünf Tagen pro Woche geöffnet sein.

Das beschreibt Luc Besançon, ehemaliger Generalsekretär und Geschäftsführer des Weltapothekerverbands FIP. Als Berater für die Weltgesundheitsorganisation WHO hat er vergangenes Jahr die Studie „Legal and regulatory framework for community pharmacies in the WHO European Region“ angefertigt, in der er auf knapp 100 Seiten die verschiedenen Wege skizziert, die Staaten bei der Ausgestaltung ihres Apothekenwesens gehen. Anlässlich des Weltapothekertages wurde sie Ende September veröffentlicht. Um einen strukturierten Vergleich handelt es sich dabei nicht, vielmehr zeigen Besançon und seine Mitautoren Tifenn Humbert und Hanne Bak Pedersen auf verschiedenen Themenfeldern Schlaglichter aus Ländern von Westeuropa bis Zentralasien auf.

Grundlegende Richtwerte aller Apothekenmärkte wie die Frage nach Fremd- und Mehrbesitzverbot, Bedarfsplanung, Arzneimittelversand, arbeitsrechtliche Vorschriften oder vorgeschriebene Ausbildungswege und Mindestqualifikationen werden darin nach Themen sortiert aufbereitet – allerdings jeweils nur durch Beispiele, nie als umfassender statistischer Vergleich. Ein Thema sind die eingangs erwähnten Anreizsysteme zur Förderung der Arzneimittelversorgung in ländlichen Gegenden.

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