Studie

Melatonin kann Risiko für Herzschwäche erhöhen

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Berlin -

Melatonin trägt dazu bei, die Einschlafzeit zu verkürzen und ist in zahlreichen Nahrungsergänzungsmitteln enthalten. Doch die Anwendung kann mit Risiken verbunden sein, denn die Einnahme könnte mit der Entwicklung einer Herzschwäche einhergehen.

Dem Schlafhormon werden verschiedene positive Eigenschaften zugesprochen. Es soll die Kognition verbessern, als natürliches Antioxidans wirksam sein und die Hirnfrequenz senken und müde machen. Doch Studienergebnisse schmälern den Hype.

Wie die Herzstiftung berichtet, kann eine langfristige Anwendung von Melatonin das Risiko einer Herzschwäche erhöhen. Dies zeige eine Studie, die im November bei den Scientific Sessions 2025 der American Heart Association (AHA) vorgestellt wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass unter den Melatonin-Nutzer:innen das Risiko, eine Herzschwäche zu entwickeln, um rund 90 Prozent erhöht war. Erhöht waren zudem die Sterblichkeit (8 beziehungsweise 4 Prozent) und das Risiko aufgrund einer Herzschwäche in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden – fast 3,5 mal so häufig.

In die Untersuchung wurden elektronische Gesundheitsdaten von mehr als 130.000 Erwachsenen einbezogen. Die Personen hatten keine Herzinsuffizienz und nahmen aufgrund chronischer Schlaflosigkeit über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten Melatonin ein (rund 65.400 Personen) – verglichen wurde mit Personen, die kein Melatonin anwendeten. Der Beobachtungszeitraum betrug fünf Jahre.

Allerdings sind die Studienergebnisse limitiert – die Forscher weisen darauf hin, dass zwar ein deutlicher Zusammenhang festgestellt worden, aber dennoch nicht belegt sei, dass Melatonin tatsächlich die Ursache der Herzschwäche war. Denn den Forschenden ist nicht bekannt, ob die Personen Begleitmedikationen einnahmen und wenn ja welche. Zudem sind die Schwere der Schlaflosigkeit und andere psychische Erkrankungen nicht bekannt.

„Schwerwiegendere Schlafstörungen, Depressionen/Angstzustände oder die Einnahme anderer schlaffördernder Medikamente könnten sowohl mit der Einnahme von Melatonin als auch mit einem erhöhten Herzrisiko in Verbindung stehen“, sagte Dr. Ekenedilichukwu Nnadi, Hauptautor der Studie. „Auch wenn der von uns festgestellte Zusammenhang Sicherheitsbedenken hinsichtlich dieses weit verbreiteten Nahrungsergänzungsmittels aufwirft, kann unsere Studie keinen direkten Kausalzusammenhang nachweisen. Das bedeutet, dass weitere Forschungsarbeiten erforderlich sind, um die Herzsicherheit von Melatonin zu überprüfen.“ Zwar könne keine direkte Ursache-Wirkung festgestellt werden, aber die Ergebnisse würden zeigen, dass Melatonin nicht bedenkenlos eingenommen werden könne.

„Melatonin-Präparate sind möglicherweise nicht so harmlos, wie allgemein angenommen wird. Sollte sich unsere Studie bestätigen, könnte dies Auswirkungen darauf haben, wie Ärzte ihre Patienten in Bezug auf Schlafmittel beraten“, sagt Nnadi. „Melatonin-Präparate gelten allgemein als sichere und ‚natürliche‘ Möglichkeit, einen besseren Schlaf zu fördern. Daher war es bemerkenswert, dass sich ein derart konsistenter und signifikanter Anstieg schwerwiegender gesundheitlicher Folgen zeigte.“

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