Wenn Arzneimittel zur Droge werden

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Berlin - Gerade BtM-Substanzen werden aufgrund ihrer zentralen Wirkung häufig zweckentfremdet eingenommen. Im Fokus der missbräuchlichen Anwendung standen jahrelang Tropfen-Präparate mit Opioden. Wegen der flüssigen Darreichungsform fluten die Wirkstoffe schnell im Körper an und führen zu Euphorie oder Gleichgültigkeit. Doch auch andere BtM-Substanzen wie Ritalin oder Oxycodon können einen Rauschzustand auslösen. Ein Missbrauch sollte der Arzneimittelkommission gemeldet werden.

In § 17 Abs. 8 Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) ist verankert, dass das pharmazeutische Personal einem erkennbaren Arzneimittelmissbrauch in geeigneter Weise entgegentreten muss. „Bei begründetem Verdacht auf Missbrauch ist die Abgabe zu verweigern.“ Tilidin, Ritalin, Oxycodon und hochdosierte Benzodiazepine wie Flunitrazepam (Rohypnol) gehören zu den häufig als Droge eingenommenen Substanzen.

Tilidin

Patienten, die Tilidin-Tropfen missbräuchlich verwenden, stellten in der Vergangenheit vermehrt Beschwerden über eine angebliche Wirkungslosigkeit an. Um dies glaubhaft zu machen, wurde von den Konsumenten ein Teil der Lösung aus dem Primärpackmittel entnommen und mit Wasser oder Alkohol aufgefüllt. Die Manipulation der Arzneimittel soll stets der AMK gemeldet werden. Idealerweise erfolgt in der Apotheke eine Fotodokumentation des beanstandeten Präparates. Es empfiehlt sich, die Personalien des Kunden und den verordnenden Arzt zu erfragen, um Rücksprache halten zu können. Die daraus resultierenden Konflikte aufgrund der Datenschutzbestimmungen stellen für die Apotheken eine besondere Hürde dar.

Methylphenidat (Ritalin)

Methylphenidat wird beim Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Erwachsenen eingesetzt. Der Wirkstoff wird aufgrund der aufputschenden und euphorisierenden Wirkung missbräuchlich verwendet. Ritalin wird in Studentenkreisen zur Steigerung der Konzentrations- und Gedächtnisleistung konsumiert. Die Beschaffung läuft überwiegend über den Schwarzmarkt und weniger über die Apotheke. Wie häufig der Arzneistoff tatsächlich missbräuchlich eingenommen wird, ist unklar. Die Amphetamin-ähnliche Wirkung ist stärker, je höher die zentrale Anflutungsgeschwindigkeit ist, deshalb wird Methylphenidat oft intranasal oder intravenös angewendet.

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