Arzneimittelmissbrauch: Ansprechen oder schweigen?

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Berlin -

Sarah Sonntag kann den Trubel um den steigenden Missbrauch von Dextromethorphan nicht verstehen: Schließlich ist nicht erst seit heute bekannt, dass einige Medikamente nicht ordnungsgemäß verwendet werden. Außerdem macht der Versandhandel es solchen Patienten leicht. In ihrer Apotheke hat Sarah häufig mit solchen Verdachtsfällen zu tun. Bei manchen Fällen ist es offensichtlich, bei anderen hingegen ist die Apothekerin unsicher und im Zwiespalt: Abgeben oder nicht?

Verantwortung spielt in der Apotheke stets eine große Rolle, wenn nicht sogar die wichtigste. „Manchmal möchte ich nicht in deiner Haut stecken“, meint Fantaschale Max nachdenklich zu Sarah. Er hat sich viele Gedanken gemacht, seit er von den steigenden Meldungen der Missbrauchsfälle von Dextromethorphan gehört hat. Für Sarah hingegen ist es ein alter Hut: Der Missbrauch von verschiedenen Hustenmitteln, Abführmitteln oder aufputschenden Substanzen ist ihr in der Apotheke schon häufig begegnet.

„Aber wie erkennst du das denn und vor allem wie gehst du mit solchen Situationen um?“, fragt Max. „Naja, manche Fälle sind schon ziemlich offensichtlich“, erklärt Sarah. Eine Zeit lang kam eine Kundin häufig und verlangte zwei Packungen eines Abführmittels. „Beim ersten Mal haben wir das noch abgegeben, nachdem sie erklärt hat, dass je eine Packung für sie und ihre Bekannte sei“, sagt sie. „Obwohl einem auch sowas schon seltsam vorkommt“, gesteht sie weiter. „Da überlegt man schon, ob man es nun abgibt oder nicht.“

Nach einiger Zeit kam sie erneut. Diesmal erwischte sie jedoch Sarahs Kollegin, die von dem vorherigen Kauf nichts mitbekommen hatte. So ging das eine Zeit lang, bis die junge Frau im Team Gesprächsthema wurde und sich der Fall herauskristallisierte. Als die Kundin das nächste Mal kam, nahm Sarah sich ihrer an: Sie erklärte ihr eindringlich die Risiken, die eine regelmäßige Abführmitteleinnahme mit sich bringt. „Wichtig ist vor allem, mit viel Fingerspritzengefühl vorzugehen. Begriffe wie ‚Missbrauch‘ oder ‚Sucht‘ würde ich in einem solchen Gespräch nie erwähnen, da sich die Kundin dann verurteilt fühlt“, erklärt die Apothekerin. „Schließlich wollen wir ja nicht verurteilen, sondern helfen.“

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