Arzneimittelmissbrauch

Dextromethorphan: Das neue Tilidin? Alexandra Negt, 13.11.2019 08:57 Uhr

Berlin - Die Missbrauchsfälle im Zusammenhang mit dem Antitussivum Dextromethorphan (DMP) haben in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Die Käufer sind meist junge Männer, zugelassen ist DMP in Kapselform für Jugendliche ab 12 Jahren. Aktuell bittet die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) das pharmazeutische Personal um besondere Aufmerksamkeit bei der Abgabe. Wie geht man richtig mit einem Missbrauchsfall um? Jetzt im LABOR austauschen!

Laut AMK wurde der Wirkstoff in den vergangenen sechs Jahren am häufigsten mit dem Verdacht auf Missbrauch gemeldet. Ein Drittel aller Meldungen in diesem Zeitraum waren Abusus-Berichte. Ein Drittel aller Kunden waren keine 18 Jahre alt. Verlangt ein Kunde in auffälliger Weise nach einem zentralwirksamen Antitussivum, sollten Apotheker und PTA aufmerksam werden.

Doch wie erkennt man einen Missbrauch?

Verdachtshinweise auf einen kritischen Arzneimittelgebrauch oder einen Missbrauch kann das pharmazeutische Personal unter anderem aus den folgenden Aspekten ziehen:

  • Der Kunde kommt häufig in die Apotheke und fragt nach expliziten Produkten
  • Die gewünschte Packungsanzahl ist größer 1
  • Ausreden wie „verlorene Rezepte“ oder „akute Notlage“ werden genutzt
  • Der Kunde wird bei Abgabeverweigerung aggressiv und droht Folgen an
  • Das Rezept scheint gefälscht
  • Häufig liegen Hinweise auf wohntortferne Beschaffung vor
  • Die Verordnung ist ein Privatrezept
  • Manipulation von Arzneimitteln (Beschwerden wegen Wirkungslosigkeit)

Rauschzustände mit DMP ähneln denen von LSD und Ketamin. In geringen Dosierungen (bis zu 200 mg) macht der Arzneistoff leicht euphorisch. Bei mittleren Dosierungen (ab etwa 400 mg) kann eine stärkere Euphorie erreicht werden, die vom Anwender sehr intensiv mit Halluzinationen erlebt werden kann. Ist die Grundstimmung während des Konsums schlecht, so kann es auch zu einem „Horrortrip“ kommen. Bei sehr hohen Dosierungen (ab 600 mg) berichten Konsumenten häufig von außerkörperlichen Erfahrungen und vorübergehenden Psychosen.

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