Coronakrise = Drogenkrise

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Berlin - Als Folge der Coronakrise befürchten UN-Experten einen Anstieg beim Drogenkonsum. Nach bisherigen Erfahrungen sei steigende Arbeitslosigkeit - wie in dramatischer Weise in der aktuellen Situation - immer verbunden mit einem verstärkten Griff zu Drogen, teilte das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in seinem Jahresbericht am Donnerstag in Wien mit. „Die Covid-19-Krise und der wirtschaftliche Abschwung drohen die Drogengefahren noch weiter zu verschärfen“, sagte UNODC-Generaldirektorin Ghada Waly. 

Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht registrierte zwar auf dem Kontinent insgesamt eine Abnahme des Drogenkonsums während der Hochphase der Pandemie. Eine Entwarnung gibt es von der in Lissabon sitzenden EU-Institution aber auch nicht. Nach Einschätzung der UN-Behörde könnten Bauern schon aus wirtschaftlicher Not heraus den illegalen Anbau von Drogen beginnen oder ausweiten. Die Schmuggler suchten wegen der Einschränkungen im Luftverkehr und wegen verstärkter Grenzkontrollen neue Wege, ihre illegale Ware zu transportieren. So seien in jüngster Zeit Kokain-Transporte von Südamerika nach Europa auf dem direkten Seeweg beobachtet worden.

Laut UN-Drogenbericht ist die Zahl der Menschen, die 2018 Drogen wie Cannabis, Kokain, Opium oder synthetische Substanzen konsumierten, im Vergleich zum Vorjahr mit 269 Millionen in etwa stabil geblieben. Die meisten von ihnen nehmen Haschisch. 35,6 Millionen Süchtige litten an von Drogen verursachten Gesundheitsbeschwerden. Der Markt sei durch die Vielfalt der rund 500 Designer-Drogen wie Fentanyl unübersichtlich geworden, hieß es. Der wichtigste Schmuggler-Weg für Heroin bleibe die Balkan-Route: Diese führt von Afghanistan via Iran, die Türkei und den Balkan nach Mitteleuropa.

Die Corona-Krise hat nach Angaben der EU-Drogenbeobachtungsstelle auch das Konsumverhalten bei Drogen in Europa deutlich beeinflusst. Ein erheblicher Teil der Konsumenten sei während der Wochen strenger Ausgangsbeschränkungen von illegalen Rauschmitteln auf Alkohol und auch gefährlichere aber frei erhältliche Substanzen umgestiegen, wie etwa das aus einem Lösungsmittel gewonnene GBL. Während der Absatz stockte, sei die Drogenproduktion selbst jedoch in etwa gleich hoch geblieben. Zwischenhändler dürften deshalb auf großen Mengen sitzen und versuchen, diese mit Beginn der Lockerungen der Corona-Beschränkungen in den Markt zu drücken, schrieben die EU-Drogenexperten in Lissabon am Donnerstag.

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