Höhere Gefahr für Substitutionsapotheken

Beschaffungskriminalität: 18-Jähriger überfällt Apotheke APOTHEKE ADHOC, 09.06.2020 13:09 Uhr

Berlin - Münsingen ist ein wunderschönes 14-000-Einwohner-Örtchen auf der Schwäbischen Alb. Doch die beschauliche Fassade kann trügen: Drogensucht und Beschaffungskriminalität sind auch dort keine Fremdworte. Ursula Holder ist die einzige Pharmazeutin in der Gegend, die sich um die Substitutionstherapie bei Drogenabhängigen kümmert. Und dadurch wird ihre Apotheke oft zur Zielscheibe. Vergangenen Freitag erst wurde sie überfallen – es dauerte jedoch nur wenige Tage, bis der Täter dingfest gemacht wurde. Anscheinend hat er unter hohem Suchtdruck gehandelt und war entsprechend unvorsichtig.

Die Covid-19-Infektionsschutzmaßnahmen haben einen unangenehmen Nebeneffekt für viel Apothekenmitarbeiter: Sie erleichtern es Kriminellen, vermummt aufzutreten, ohne dass jemand Verdacht schöpft. Das mussten auch die Mitarbeiterinnen der Stadt-Apotheke Münsingen erfahren. Freitagmittag betrat der Räuber die Apotheke. „Ein junger Mann mit Baseballmütze und Palästinensertuch vor dem Gesicht fällt ja erst einmal gar nicht auf“, sagt Holder. Doch er kam schnell zum Punkt. „Er sagte direkt, das sei ein Überfall. Da haben meine beiden Mitarbeiterinnen und ich uns erstmal angeschaut und ein bisschen gegrinst, weil wir ihn nicht ganz ernst genommen haben.“

Doch das Grinsen verging ihnen schnell. „Er hatte eine Papiertüte dabei. Ich hatte mich erst gewundert, warum er eine eigene Tüte mitbringt, in der Apotheke kriegt man doch jedes Mal eine.“ Als er ein Messer mit 20 cm langer Klinge aus der Tüte holte, wurde ihr der Grund klar. Er wolle „Fentanyl und Benzos“, sagte er den Apothekenmitarbeiterinnen mit vorgehaltenem Messer.

„Mir war sofort klar, dass das einer aus der Suchtszene ist. Er hat einen sehr ausgemergelten Eindruck gemacht“, erinnert sich Holder. „Ich habe ihm gesagt, dass wir kein Fentanyl haben, wollte aber auch keine Gewalt provozieren.“ Deshalb habe sie ihm mehrere einschlägige Präparate ausgehändigt: 30 bis 40 Subutex-Tabletten, rund 100 Morphiumtabletten sowie Tavor mit 0,5 und 1 mg Lorazepam. „Er hat nicht nach Geld gefragt, nicht in die Kassen geschaut, gar nichts. Es war deshalb sofort klar, dass das ein reines Rauschgiftdelikt ist.“ Gleichzeitig hatte Holders Mann mitbekommen, dass sich in der Apotheke unter seinem Büro anscheinend etwas abspielt, und kam herunter. „Das hat ihn offensichtlich nervös gemacht. Mein Mann ist 1,95 Meter und der Räuber war vielleicht 1,70 Meter. Er hat dann fluchtartig die Apotheke verlassen.“

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