Tag der Ausbildung

„PTA brauchen Perspektiven in der Apotheke“

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Berlin -

Um den PTA-Nachwuchs steht es nicht unbedingt gut. Immer weniger wollen den Beruf erlernen. Ob es am Schulgeld oder den späteren Verantwortungsbereichen und Arbeitszeiten liegt, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Die PTA-Schulen selbst stehen vor dem Problem, dass die Vor- und Grundbildung der Bewerber:innen abnimmt. Burkhard Pölzing, Schulleiter der Völker-Schule in Osnabrück, setzt sich stark für eine gute Zukunft des PTA-Berufes ein.

Die Schulgeldfreiheit könnte den Beruf der PTA attraktiver machen, da ist sich Schulleiter Burkhard Pölzing sicher und geht dabei sogar noch einen Schritt weiter: „Die Schulgeldfreit muss umgehend kommen und eine Ausbildungsvergütung während der gesamten PTA-Ausbildung sollte auch noch drin sein. So können wir die Schulen füllen und dem Fachkräftemangel in den Apotheken begegnen.“ Pölzing nimmt dabei auch die Politik in die Pflicht: „Die größten Herausforderungen liegen in der auskömmlichen Schulfinanzierung. Leider ist das Land Niedersachsen mittlerweile Schlusslicht in dieser Frage.“

Verantwortungsbereiche erweitern

Pölzing findet klare Worte dafür, wie der Beruf der PTA attraktiver werden könnte: „Wichtig wäre die Schaffung einer beruflichen Perspektive für PTA in der öffentlichen Apotheke durch eine echte Aufstiegsqualifizierung. ‚Einmal PTA – immer PTA‘ ist zu wenig. Die Vertretungsbefugnis scheint dabei eine rote Linie zu sein. Doch sollten sich Apotheker und PTA nicht in Grabenkämpfen verlieren. Gewinnen kann die Apotheke nur, wenn die Berufsgruppen gemeinsam agieren und konstruktiv zusammen gestalten. Hier könnten die Apothekerkammern mit einer bundesweit geregelten Weiterbildung zur Fach-PTA in Analogie zum Fachapotheker einen Beitrag leisten.“

Vielerorts sind PTA absolute Mangelware. Obwohl es ausreichend PTA geben müsste, finden sich diese nicht. Der Schulleiter weiß, wie die meisten Inhaber:innen auch, woran das liegt: „Interessante Arbeitsplätze für PTA gibt es außerhalb der Offizin reichlich. Bessere Bezahlung und bessere Arbeitszeiten locken und werden den Apotheken dringend benötigtes Personal entziehen. Hier muss sich die öffentliche Apotheke etwas einfallen lassen und handeln.“ Er selbst kündigt Innovationen an der Völker-Schule an, sodass bereits die Ausbildung im Rahmen der Möglichkeiten revolutioniert werden kann.

Qualität nimmt ab

„Die Zahl hinreichend qualifizierter Bewerber:innen ist bundesweit und auch an der Völker-Schule in Osnabrück zurückgegangen. Die Zahl der PTA-Klassen an unserer Schule ist in den letzten Jahren von 10 auf aktuell 7 zurückgegangen“, berichtet der Schulleiter. „Rückläufige Schülerzahlen sind in der Region Osnabrück ein gravierenderes Problem für die Apotheken, um auf Dauer den Versorgungsauftrag der Bevölkerung in der Fläche aufrecht zu erhalten. Die ‚Qualität‘ der Bewerber:innen ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. Die Eingangsvoraussetzung für die PTA-Ausbildung ist mindestens die Mittlere Reife (Realschulabschluss). Dieser Abschluss ist oftmals nicht mehr mit einer für den Ausbildungserfolg erforderlichen Sprachkompetenz verbunden. Durch die Bewältigung der Flüchtlingskrise und die Auswirkungen der Coronakrise wird dieses Defizit weiter verstärkt und offensichtlich.“ Dabei könne und dürfe es jedoch nicht die Aufgabe der Berufsfachschulen sein, dieses Problem durch umfangreichen Deutschunterricht in den Griff zu bekommen. „Hier sind die allgemeinbildenden Schulen gefragt.“

Migrationshintergrund als Bereicherung

Die Lehrer:innen an der Völkerschule werden täglich mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen der Schüker:innen konfrontiert. Dabei kann das Beherrschen weiterer Sprachen auch hilfreich sein: „Schüler mit Migrationshintergrund bringen mit ihrer Muttersprache einen zusätzlichen Gewinn für die Apotheke. Der Kommunikation kommt in der PTA-Ausbildung und später in der Offizin eine wesentliche Bedeutung zu.“ Die Deutschkenntnisse müssten deshalb ein für die Ausbildung hinreichendes Niveau haben. „An der Völker-Schule unterstützen wir im Bedarfsfall die individuelle sprachliche Entwicklung in Kombination mit fachlichem Förderunterricht.“

Auf die Frage, was sich Lehrer:innen von ihren Schüler:innen wünschen, lautet Pölzings Antwort: „Wir wünschen uns viel Freude, Motivation und Durchhaltevermögen.“ Denn durchgehend einfach sind die zwei Jahre Theorie für viele Azubis nicht. Die Prüfungen verlangen den Schüler:innen umfangreiches Wissen ab. Da kann es durchaus mal dazu kommen, dass man sich überfordert fühlt. Doch gemeinsam mit den ebenfalls motivierten Lehrer:innen findet sich meist eine Lösung.

An der Völker-Schule Osnabrück werden um die 100 Schüler:innen im Sommer 2022 ihren schulischen Teil der PTA-Ausbildung erfolgreich absolvieren. Bis vor wenigen Jahren seien es jährlich noch bis zu 140 Schüler:innen gewesen.

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