Kommentar

Tiefe Risse im Apotheken-A Patrick Hollstein, 09.11.2018 14:42 Uhr

Berlin - 350 Millionen Euro. Für diese Summe könnte in den kommenden Wochen das deutsche Apothekenrecht verramscht werden. Denn für umgerechnet 18.000 Euro pro Jahr und Apotheke soll der Politik der Freibrief ausgestellt werden, sich nicht mehr mit dem Rx-Versandverbot herumschlagen zu müssen. Der Ablasshandel könnte die Apotheken teuer zu stehen kommen. Denn unter dem Pflaster werden die Risse im Apotheken-A nicht heilen, sondern tiefer gehen.

Zwei Jahre lang wurde über die Folgen des EuGH-Urteils zur Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente gestritten. Lange beharrte die ABDA auf einem Rx-Versandverbot, doch als neuer Gesundheitsminister machte Jens Spahn (CDU) schnell klar, dass das mit ihm nicht zu machen ist. Pünktlich zum Apothekertag hatte er die Standesvertreter mürbe gemacht.

Dass Spahn das Wahlversprechen seiner Partei umsetzt, glaubt aber innerhalb der ABDA so gut wie keiner mehr. Noch nicht einmal Gleichpreisigkeit scheint mehr ein erreichbares Ziel zu sein. Als einziger Standesvertreter machte der saarländische Kammerpräsident Manfred Saar („Nicht mit mir!“) in dieser Woche bei der Sitzung des Gesamtvorstands seinem Ärger Luft. Alle anderen Hardliner hatten ihre Abwehrstellung geschlossen geräumt.

Nun geht es also nur noch um den Preis. Dass Spahns Amtsvorgänger Hermann Gröhe das Rx-Versandverbot noch in den Koalitionsvertrag gebracht hatte, mag in den Verhandlungen noch das eine oder andere Zugeständnis bringen. Wenn man so will, geht es jetzt quasi darum, das Rx-Versandverbot meistbietend zu verkaufen.

Nun war der ABDA lange vorgeworfen worden, vor politischen Realitäten die Augen zu verschließen. Doch genau genommen ändert sich daran auch nach dem aktuellen Kurswechsel nichts. Denn selbst wenn sich die Apotheker das eine oder andere neue Aufgaben- und Einkommensfeld erschließen sollten: Die strukturellen Verwerfungen sind mit dem Strukturfonds nicht vom Tisch.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Markt

Versandapotheken

Shop Apotheke verdoppelt Betriebsfläche»

Generikakonzerne

Stada: 580 km durch Frankfurt»

Sonnenschutz

UV-Sensor: La Roche-Posay kooperiert mit Apple»
Politik

ACAlert

Selbst die Apotheke wird grün»

Erstes Quartal 2019

Kassen mit Minus zu Jahresbeginn»

Notdienstpauschale

Neuer NNF-Rekord: 291,88 Euro»
Internationales

Versandapotheken

Zur Rose: Erwartungen bei Weitem übertroffen»

Schweiz

Triumph für Apothekerverband: 200.000 für Petition»

Cannabidiol

CBD-Eis: Kunden sollen an FDA schreiben»
Pharmazie

Forschungsprojekt

Fortbildung: Uni befragt Apotheker»

BfArM

Weitere Xarelto-Fälschungen aufgetaucht»

PD-L1-Inhibitoren

Tecentriq-Kombi wirkt auch bei Lebermetastasen»
Panorama

Nachtdienstgedanken

„Meine Versandapotheke bringt mir das auch“»

Andere Namen –  Andere Berufe  

Kennen Sie Karl Lauterback?»

Flohmarkt

Apotheke trödelt für Vor-Ort»
Apothekenpraxis

ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Ein unmoralisches Angebot»

Böhmermanns Globuli-Gospel

„Quatsch, Quatsch, Quatsch“»

Serverprobleme

Securpharm-Ausfälle: „Das zeigt, dass das kein stabiles System ist“»
PTA Live

Gesangswettbewerb

Revoice of Pharmacy: Bewerbungsfrist verlängert»

Stellenanzeige

Knurrige Chefin sucht PTA zum Streiten»

LABOR-Debatte

Reaktionen auf Taschentuch-Verbot: Was habt ihr erlebt?»
Erkältungs-Tipps

Kompetenz-Kolleg

Mission: Abenteuer Atmen»

Nicht gut bei Stimme

Beratungstipps bei Heiserkeit»

Husten durch Schnupfen?

Post-nasal-drip-Syndrom»
Magen-Darm & Co.

Ernährungsweisen

Mit FODMAP gegen Verdauungsprobleme»

Anatomie des Verdauungstraktes

Die Magenschleimhaut: Ein unterschätztes Gewebe»

Heilpflanzenporträt

Angelikawurzel: Die Pflanze des Erzengels Raphael»
Kinderwunsch & Stillzeit

Familienplanung

5 Tipps zum Kinderwunsch»

Schwangerschaftsvorsorge

Welche Untersuchungen sind notwendig?»

Allergie

Heuschnupfenmittel in der Schwangerschaft»