Standesdünkel löst keinen Fachkräftemangel

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Berlin - Aus der Politik werden erneut Forderungen laut, PTA mehr Kompetenzen zuzusprechen. Und erneut mauert die Standesvertretung. Die Bundesapothekerkammer (BAK) kontert die Forderung nach einer Gesetzesänderung mit einem Verweis auf die aktuelle Gesetzeslage. PTA traut sie nicht zu, maximal stundenweise eine oder einen abwesende:n Apotheker:in zu vertreten. Dahinter steckt wohl mehr Standesdünkel als echte Sorge um den Berufsstand, kommentiert Tobias Lau.

Sagen wir, wie es ist: Die allermeisten PTA sind massiv unterbezahlt. Ein paar Bundesländer übernehmen die Ausbildungskosten seit nicht allzu langer Zeit, für die allermeisten PTA gilt allerdings, dass sie eine der anspruchsvollsten Berufsausbildungen auf eigene Kosten absolviert haben, um dann ein Einstiegsgehalt von knapp über 2000 Euro brutto zu erhalten. Und das in einem Job mit Wochenendarbeit.

Nicht zuletzt deshalb verlangen PTA-Vertretungen seit geraumer Zeit, den Beruf mit mehr Kompetenzen und Aufstiegschancen zu versehen. Der Bundesverband PTA (BVpta) fordert Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zum Bachelorstudium für Vertretung-PTA und hat ein gutes Argument: Kommendes Jahr soll es losgehen mit den bezahlten pharmazeutischen Dienstleistungen. Der Gedanke dahinter ist richtig: Apotheken sind und müssen mehr sein als Abgabestellen für Medikamente. Die Zukunft liegt in zeitgemäßen Gesundheitsangeboten – für die braucht es allerdings auch qualifizierte Fachkräfte. Und die sind Mangelware.

Das weist in zwei Richtungen: Zum einen muss der Beruf PTA wieder attraktiver gemacht werden. Der Ausbildungsmarkt ist im Niedergang. Vergangenes Jahr wurden erstmals seit 1977 weniger als eine halbe Million Berufsausbildungen begonnen. Immer mehr junge Menschen wollen Student:in statt Azubi sein. Und: Die Zeiten, in denen man nach der Schule in einen Betrieb ging und dort bis zur Rente blieb, sind längst vorbei. Heute geht es um Perspektiven und ja, auch um Aufstiegsmöglichkeiten. Das Berufsbild PTA scheint da vielen nicht mehr zeitgemäß. Dabei würde ein Beruf an der Schnittstelle von Naturwissenschaft und Betriebswirtschaft mit geregelten Arbeitszeiten und viel Kundenkontakt eigentlich so viele Weiterentwicklungsmöglichkeiten bieten.

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