Ärzte verkaufen Selbstständigkeit

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Berlin - Der Apotheker in seiner Apotheke, der Arzt in seiner Arztpraxis: Die Freiberuflichkeit wird im deutschen Gesundheitswesen mit Selbstständigkeit verbunden. Doch immer mehr Mediziner scheuen das unternehmerische Risiko und bevorzugen das Angestelltendasein – der Markt ist in einem grundlegenden Wandel. Beobachter gehen davon aus, dass die demografische Entwicklung den Aufstieg der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) beschleunigen wird. Schon heute arbeitet mehr als jeder zehnte Arzt in der ambulanten Versorgung als Angestellter.

Rückt bei niedergelassenen Ärzte die Pensionierung näher, stehen sie oft vor denselben Problemen wie die Apotheker: In einigen Fachrichtungen wie der Pathologie fehlt schlichtweg der Nachwuchs, auch für Praxen auf dem Land lassen sich kaum Nachfolger finden. Wer will schon bei gedeckeltem Honorar rund um die Uhr für seine Patienten da sein?

„Viele Ärzte wollen heutzutage nicht mehr selbstständig sein“, sagt Ralf Sjuts, der die MVZ-Kette Patiodoc leitet. Er verweist auf Umfragen, nach denen mehr als die Hälfte der Teilnehmer ohne Risiko arbeiten will. Dem Berufsstand sei das „Unternehmer-Gen“ abhanden gekommen – mitunter stellten schon einfache Angelegenheit wie die Anmeldung des Stromanschlusses die Mediziner vor Probleme. „Da sind sicher viele ominöse Ängste im Spiel, aber auch ganz reale Sorgen.“

Gerade bei Landarztpraxen fehle den Medizinern jegliche Bereitschaft, sich finanziell zu binden. Kosten von 200.000 bis 300.000 Euro ließen viele Interessenten angesichts der ungewissen Zukunft zurückschrecken. „Einen Arzt zu finden, der eine Praxis auf dem Land übernimmt, ist nahezu aussichtslos. Ein Angestelltenverhältnis zu vermitteln, ist deutlich einfacher“, sagt Sjuts, dessen Unternehmen sich auf diesen Bereich spezialisiert hat.

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