Erhebliche Umsetzungsprobleme

KBV: Teilkrankschreibung in Stufen „vollkommen unleistbar“

, Uhr aktualisiert am 29.05.2026 14:21 Uhr
Berlin -

Die Kassenärzte warnen vor erheblichen Umsetzungsproblemen bei der geplanten Einführung von Teilkrankschreibungen im Job. Der Aufwand für die Praxen, sich für eine kluge Entscheidung bei den Arbeitgebern nach den Vor-Ort-Bedingungen zu erkundigen, sei „vollkommen unleistbar und auch nicht angemessen“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Stephan Hofmeister.

Die Einführung einer Teilarbeitsunfähigkeit ist Bestandteil des Sparpakets von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zur Entlastung der gesetzlichen Krankenkassen, das vom Bundeskabinett auf den Weg gebracht worden ist. Angesichts hoher Fehlzeiten im Job sollen Beschäftigte sich bei längeren Erkrankungen auch nur teilweise krankschreiben lassen können, wenn sie und der Arbeitgeber es möchten – und zwar zu 25, 50 oder 75 Prozent der üblichen Wochenarbeitszeit. Bisher gibt es nur eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Die Idee zur Teilkrankschreibung resultiere „aus einem Missverständnis“, so Hofmeister.

„Stufen suggerieren medizinische Präzision“

Die KBV wies in einer Stellungnahme zum Gesetzentwurf auf „zahlreiche ungeklärte Folgefragen“ hin. Eine Stufenfeststellung mit 25, 50 und 75 Prozent suggeriere eine medizinische Präzision, die bei den typischen Krankheitsbildern kaum objektivierbar sei. Haftungsfragen für Ärzte blieben offen. Zudem würde der bürokratische Aufwand erheblich steigen. Denn es würden detaillierte Kenntnisse zu den Umständen am Arbeitsplatz notwendig, die Praxen nicht hätten oder nur unter höchstem Aufwand recherchieren und validieren könnten.

„Wenn es um die Wiedereingliederung nach langer Krankheit geht, haben wir dafür ein Modell, nennt sich Hamburger Stufenmodell, Wiedereingliederung. Das funktioniert schon lange. Aber für reguläre Krankschreibungen tatsächlich Teilkrankschreibungen auszusprechen, ist entweder medizinisch unsinnig, weil nicht sorgfältig hinterlegt, oder vom Aufwand her nicht beherrschbar.“

Die genaue Umsetzung soll nach den Gesetzesplänen noch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen ausarbeiten.

„Regierung und ihre verrückten Ideen endlich stoppen“

Ates Gürpinar, Sprecher für Gesundheitsökonomie der Fraktion Die Linke im Bundestag, stimmt dieser Einschätzung zu: „Teilkrankschreibungen schaffen Unsicherheit für Beschäftigte und Ärzt:innen. Wer krank ist, braucht Zeit zur Genesung und keinen zusätzlichen Druck, sich trotz Erkrankung noch irgendwie arbeitsfähig zu machen. Wir müssen die Regierung und ihre verrückten Ideen endlich stoppen. Statt auf dem Rücken der Versicherten Arbeitgeberfantasien auszuprobieren, sollte die Bundesregierung endlich die Ursachen der Krise angehen und mit einer solidarischen Gesundheitsversicherung Vermögende zur Kasse bitten, um Unterfinanzierung, Personalmangel und die Profitlogik im Gesundheitswesen zu überwinden.“

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