In Apotheken lügt man nicht

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Berlin - Der Corona-Impfstoff ist wirklich ein Wundermittel. Nicht nur in Bezug auf die Geschwindigkeit seiner Entwicklung und seiner hohen Wirksamkeit. Nicht nur medizinisch-technologisch, sondern auch soziologisch. Pathetisch ausgedrückt kann sich die Gesellschaft in jedem kostbaren Vial wie in einem Spiegel betrachten. Die Apotheken machen dabei eine ausgezeichnete Figur, kommentiert Alexander Müller.

Von einer breiteren Öffentlichkeit dürfte noch keine Entwicklung so innig herbeigesehnt worden sein. Die erste Zulassung wurde gefeiert wie die Mondlandung. Doch schon bevor die ersten Dosen in den Tiefkühlschränken lagen, musste sich die Gesellschaft auf die Verteilung verständigen – global und national, zwischen Berufs- und Risikogruppen.

Die Bundesregierung hat das hierzulande mit den Priorisierungslisten gut gemacht. Natürlich findet Jeder und Jede logische Unstimmigkeiten oder empfindet die ein oder andere Gruppierung als ungerecht. Aber alles in allem herrschte ein angenehm zivilisierter Konsens in der Republik. „Impf-Vordrängler“ gab und gibt es, aber sie werden als solche gelabelt und geächtet. Bei der großen Mehrheit wurde der schöne Satz „Ich warte, bis ich dran bin“ zum positiv-selbstbestimmten Mantra.

Dass so etwas wie „Impfneid“ (noch so ein gravitätisches neues Wort) entstehen konnte, hat mit dem Negativ dieses Gefühls zu tun, das viele Geimpfte im persönlichen Gespräch schildern oder dem sie in euphorischen Social Media-Posts Ausdruck verleihen. Das Gefühl, schon mit Erhalt der ersten Dosis quasi mit Superkräften ausgestattet zu sein. Sie wissen um die Irrationalität ihrer Freude, sie kennen die 14-Tage-Frist und die Bedeutung der zweiten Impfung. Aber darum geht es nicht, es geht um den Augenblick. Vermutlich würden sich viele die Dosis Freiheit sogar lieber selbst in den Arm jagen, wenn sie in Praxis oder Impfzentrum gelassen würden. Beim ersten „Schuss“ auch noch selbst auf das Virus anzulegen und abzudrücken, wäre die einzig denkbare Steigerung dieses Gefühls.

Um der eigenen Ohnmacht in der Pandemie vollends zu entkommen, braucht es aber es mehr als mRNA oder Vektoren. Die Debatte über Erleichterungen für Geimpfte wurde wie so vieles in dieser Krise erstaunlich spät intensiviert. Weil Grundrechte nicht umsonst so heißen, wird – das ist unsere aktuelle Debatte – über den Nachweis der Immunisierung verhandelt.

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APOTHEKE ADHOC Debatte

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