Freie Demokraten

Lindner: Apotheker haben FDP im Stich gelassen Lothar Klein, 31.08.2017 10:27 Uhr

Berlin - Eine Klientelpartei will die FDP von Christian Lindner nicht mehr sein. Das haben die Liberalen vor allem die Apotheker spüren lassen. Die Freien Demokraten lehnen nicht nur ein Rx-Versandverbot ab, sondern wollen auch das Fremdbesitzverbot abschaffen. Seitdem ist die FDP für viele Apotheker nicht mehr wählbar. Mitschuld am Ausscheiden der FDP 2013 aus dem Bundestag tragen laut Lindner die Apotheker – nur fünf Prozent hätten trotz guter Politik FDP gewählt.

Linderns egozentrischer Wahlkampfstil schafft zwar Aufmerksamkeit, langjährige FDP-Mitgliedern können damit aber nicht viel anfangen: „Lindner schwimmt auf einer narzisstischen Welle, das ist kaum noch zu überbieten“, kritisiert Apotheker Klaus Fehske seinen Parteichef. Lindner sei zwar perfekt in seiner Rhetorik und auch im Umfang mit den Medien, aber inzwischen „zu abgehoben“. Nur noch „CL“ werde Linder in der FDP genannt. Das erinnere an Fußballer Christiano Ronaldos Markenzeichen CR7, mit dem dieser seine Starallüren pflege.

Dass sich Lindner gegen die Apotheker positioniert, hält Fehske, der im NRW-Landesfachausschuss Gesundheit der FDP mitarbeitet, für einen tragischen Fehler. Mehrfach hat er Lindner aufgefordert, seine Position klarzustellen – ohne Erfolg. Die APOSCOPE-Umfrage und Lindners neuesten Werbespot zur Bundestagswahl nahm Fehske zum Anlass, noch einmal beim Parteichef zu insistieren: „Lieber Christian Lindner“, schrieb Fehske, „Ihren gerade verschickten aktuellen Wahl-Werbespot habe ich mit Interesse angesehen! Gut gemacht, vielleicht etwas hektisch!“

Wesentlich sei für ihn der Satz: „Die neue Idee findet nicht jeder gut. Eigentlich sogar katastrophal! Dann mußt Du kämpfen.“ Ein super Beispiel seien sicher die Apotheker und Ihre Mitarbeiter: 2009 habe die FDP bei der Wahlumfrage von APOTHEKE ADHOC noch 45 Prozent Zustimmung erfahren, aktuell bei 527 befragten Apotheken-Mitarbeitern laut APOSCOPE nur noch 3,1 Prozent. „Dann mußt Du kämpfen“, heiße es im Wahlspot. „Sie kämpfen sogar gegen die eigenen FDP-Fachgruppen Gesundheit“, kritisiert Fehske. Er wünsche Lindner, „dass Sie deutlich mehr Wähler woanders gewinnen – und zwar nachhaltig –, als Sie bei Ihren Stammwählern bewusst verjagen!“

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