E-Rezept: Ein Rattenrennen

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Berlin - Gerda ist tot, es lebe Gerda! Derzeit kann kein Arzt in Baden-Württemberg E-Rezepte über das Modellprojekt der Apotheker ausstellen. Sie könnten ohnehin auch nicht auf deren Server übertragen werden. Zumindest vorerst kann dieser Pilot also als gescheitert betrachtet werden, auch wenn die bisherigen – wenigen – E-Rezepte, die ausgestellt wurden, die Sicherheit des Systems belegt haben. Eine Schuld trifft Apothekerkammer und -verein an der Situation nicht. Vielmehr spiegelt sie ein grundlegendes Problem des Gesundheitswesens, kommentiert Tobias Lau.

Der Fall zeigt eine der Schwächen der Selbstverwaltung im Gesundheitssystem: Großprojekte wie das E-Rezept betreffen Apotheker, Ärzte, Kassen und private Dienstleister in gleichem Maße. Statt aber über Regionen und Sektoren hinaus an einem Strang zu ziehen, kocht jeder sein eigenes Süppchen. Die Verantwortlichen der vielen parallel laufenden E-Rezept-Projekte werden natürlich auch durch den Wettbewerb untereinander dazu befeuert, schnell sichere Anwendungen zu schaffen und wenn möglich auch zu etablieren.

Klar, Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sollte nun mal primär kein Geschäft sein, sondern eine hoheitliche Aufgabe. Und da sollte eigentlich vom Patienten her gedacht werden, nicht von den Interessen jeweiliger Stände und Sektoren.

Von keiner Seite war in der Causa Gerda bisher harsche Kritik an den anderen Akteuren zu vernehmen. Stattdessen wird betont, dass die Entscheidungshoheit über den Dienstleister nun einmal bei der KV Baden-Württemberg liege. Und die hat eben andere Prioritäten: Statt sich auch noch das E-Rezept aufzuladen, ist erst einmal die eigene Infrastruktur wichtig. Insbesondere die Hotline 116117 soll natürlich weiter in der Bevölkerung verankert werden. Der Patient soll vom Telefon zum Online-Arzt gelotst werden. Ob das zeitgemäß ist, darüber kann man gern streiten. Unbestreitbar ist, dass es nicht das Konzept von Teleclinic ist. Also trennten sich die Wege.

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