„Die Zahl ist beeindruckend – aber nicht überraschend“

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Berlin - Von der ABDA fühlt sich Pharmaziestudent Benedikt Bühler vor seinem Auftritt im Petitionsausschuss des Bundestags im Stich gelassen. Ungewöhnliche Unterstützung bekommt er dagegen vom Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL). Dort hat man Marc Henrichmann (CDU), Mitglied im Petitionsausschuss, für ein Interview gewonnen, das Bühler den Rücken stärken soll.

AVWL: Mehr als 400.000 Unterschriften. Die erfolgreichste E-Petition in der Geschichte des Bundestags. Der Initiator ist ein junger Pharmaziestudent. Sind Sie von der Unterschriftenzahl beeindruckt?
HENRICHMANN: Ja, die Zahl ist beeindruckend. Sie kommt für mich aber nicht ganz überraschend. Bei mir im Wahlkreis spreche ich sehr häufig mit Apothekerinnen und Apothekern. Insofern weiß ich, was ihnen unter den Nägeln brennt. Ich erfahre in diesen Gesprächen immer wieder, dass unsere Apotheker den Wettbewerb nicht scheuen. Aber dieser Wettbewerb muss fair sein. Auch dass viele Bürgerinnen und Bürger die Petition unterschrieben haben, wundert mich nicht. Viele Menschen sind auf eine Versorgung mit Medikamenten und eine gute Beratung in ihrer Nähe angewiesen, und das im Notfall auch an Sonn- und Feiertagen.

AVWL: Haben Sie sich bereits eine Meinung gebildet zu dem Anliegen, den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zu verbieten?
HENRICHMANN: Grundsätzlich sehe ich Verbote eher kritisch. Apotheken erfüllen allerdings einen gesetzlichen Versorgungsauftrag. Das muss sich auch in einem besonderen gesetzlichen Schutz wiederfinden. Wichtig ist die hohe Beratungskompetenz. Der Apotheker kennt seine Kunden. Er bemerkt beispielsweise Wechselwirkungen, Fehlanwendungen oder Doppelverordnungen. Deshalb ist der Apotheker unentbehrlich als Lotse im Gesundheitssystem. Es gibt Dinge, die sollte man nicht im Internet bestellen.

Gerade im ländlichen Raum ist die Apotheke darüber hinaus ein Anker im Ort, vergleichbar mit dem Arzt, dem Supermarkt oder der Schule. Sie ist mit entscheidend für die Lebensqualität und die Anziehungskraft einer Gemeinde. Das wird gerade in einer alternden Gesellschaft immer wichtiger.

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