DAT-Anträge

Diefenbach gegen Defekte und Hochpreiser

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Berlin -

Lieferengpässe sind in Apotheken nach wie vor ein Thema. Deshalb sollen sie auch beim Deutschen Apothekertag (DAT) in Düsseldorf diskutiert werden. Das wurden sie zwar bereits im vergangenen Jahr – getan hat sich aber nichts. Die Landesapothekerkammer Hessen (LAK) will daher erneut einen Antrag stellen. Um diesem mehr Gewicht zu verleihen, sammelt der ehemalige Verbandsvize Dr. Hans-Rudolf Diefenbach abermals Defektelisten aus Apotheken. Auch direkt zu bestellende Hochpreiser sind dem Apotheker aus Offenbach ein Dorn im Auge.

Die Anträge mussten bis Mitte der vergangenen Woche eingereicht werden, derzeit befasst sich die Antragskommission der ABDA damit. Mit ihren Antrag wolle die LAK Hersteller und Gesetzgeber verpflichten, Lieferengpässe zu melden, so Diefenbach. Man wolle sowohl die Politik als auch die Wirtschaft erreichen. Um die Diskussion mit Fakten zu untermauern, bittet Diefenbach seine Kollegen darum, ihm Lieferengpässe zu melden. Die Listen können an die Rosenapotheke gemailt oder gefaxt werden.

Schon im vergangenen Jahr gab es einige Anträge zu Lieferengpässen. Der Antrag der Landesapothekerkammer Thüringen (LAKT), „eine rechtliche Grundlage für die verbindliche Meldung von Lieferengpässen“ zu schaffen, wurde in die Ausschüsse verwiesen. Die Kammer hatte vorgeschlagen, bis zur Schaffung der verbindlichen rechtlichen Rahmenbedingungen ein eigenes elektronisches Verzeichnis einzurichten, in das Apotheken auftretende Lieferengpässe eintragen können.

Besonders dieser zweite Teil des Vorschlags wurde kritisch gesehen. Die Delegierten befürchteten noch mehr Bürokratie in der Apotheke. Dr. Detlef Weidemann, inzwischen Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbands (HAV), kritisierte, dies sei „eine weitere Liste, die man abchecken muss“. Er befürchtete, die Situation im Alltag werde dadurch nur schlechter.

Dr. Rainer Bienfait, Verbandschef in Berlin und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands (DAV), fürchtete nicht nur die Bürokratie, sondern auch die Kosten und Retaxationen durch Krankenkassen, die darauf verweisen könnten, dass ein Arzneimittel nicht als defekt gemeldet gewesen sei. Befürworter argumentierten, jede Auflistung sei eine Hilfe, die Meldung freiwillig und daher nicht rechtsverbindlich.

Andere Anträge waren weniger verbindlich und wurden von der Hauptversammlung angenommen. Die Apothekerkammer Sachsen-Anhalt wollte die Bundesregierung auffordern, auf nationaler Ebene und innerhalb der Europäischen Union darauf hinzuwirken, „dass in Deutschland zugelassene Arzneimittel kontinuierlich in einem Umfang zur Verfügung stehen, der die Versorgung jedes einzelnen Patienten mit den für ihn erforderlichen Medikamente garantiert“.

Die Apothekerkammer Niedersachsen hatte vom Gesetzgeber ein Maßnahmenpaket gefordert, „um dem Entstehen von Lieferengpässen vorzubeugen und bei entstandenen Lieferengpässen Auswege zu finden“. Kammer und Verband aus Baden-Württemberg wollten erreichen, dass Ausmaß und Ursachen von Lieferengpässen bei Arzneimitteln systematisch analysiert werden. Daraus sollten konkrete Maßnahmen zur Vermeidung von Lieferausfällen abzuleiten.

Die Apothekerkammer Berlin und der Apothekerverband Nordrhein hatten mit Blick auf die Sicherstellung der Versorgung mit Impfstoffen eine nationale Reserve vorgeschlagen. Auf diese Weise sollten den Apothekern zumindest die von der STIKO empfohlenen Schutzimpfungen in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. Alle vier Anträge wurden damals angenommen, geändert hat sich nichts.

Diefenbach brennt aber noch ein zweites Problem unter den Nägeln: Hochpreiser, die nur direkt beim Hersteller bestellt werden können. Das führe dazu, dass die Apotheken in Vorleistung treten müssten. Er selbst habe zuletzt Ofev (Nintedanib) von Boehringer Ingelheim benötigt und das Präparat zur Behandlung idiopathischer Lungenfibrose nicht im Großhandel erhalten. Die Rechnung des Herstellers habe er aber zahlen müssen, bevor er von seinem Rechenzentrum Geld bekommen habe.

Insgesamt habe er im vergangenen Monat rund 20.000 Euro vorfinanziert, berichtet Diefenbach. Er sieht die Tendenz, dass immer mehr Hochpreise nur noch direkt zu bestellen sind. Auch das Biosimilar Remsima (Infliximab) von Mundipharm habe der Großhandel nicht vorrätig gehabt – dabei sei dies sogar ein Rabattarzneimittel, kritisiert Diefenbach. „Das stört das herkömmliche Gefüge.“

Das Thema Hochpreiser will Diefenbach beim DAT ebenfalls thematisieren und auch hier hofft er auf die Hilfe seiner Kollegen. Er möchte wissen, welche Erfahrungen andere Apotheker mit der Bestellung bei Großhändlern und Herstellern gemacht haben, ob und wie viel sie vorfinanzieren mussten und was das für ihr Geschäft bedeutete.

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