Gesund.de kritisiert Vorgaben

Chroniker-Pauschale: „Gut gedacht – nicht gut gemacht“

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Berlin -

Morgen startet die hausärztliche Versorgungspauschale für chronisch kranke Menschen. Diese Chroniker-Pauschale sei per se gar nicht schlecht, nur bei der Umsetzung hapert es, befindet die Plattform Gesund.de. „In ihrer jetzigen Form erreicht sie nur einen Bruchteil derjenigen, für die sie gedacht war.“ Die betroffenen Patient:innen selbst, aber auch Praxen und Apotheken könnten noch besser entlastet werden.

Wer immer die gleichen Arzneimittel verschrieben bekommt, soll ab morgen nicht mehr jedes Quartal aufs Neue zu seiner Arztpraxis müssen. Laut Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) betreffe das etwa 54 Prozent der Erwachsenen, so Gesund.de. Bereits Karl Lauterbach (SPD) wollte in seiner Zeit als Gesundheitsminister dafür sorgen, dass diese wegen bekannter Medikationen nicht mehr immer wieder zum Arzt müssen. Lauterbach hatte eine bis zu vier Quartale umfassende Versorgungspauschale vorgesehen.

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband hätten sich nun aber auf eine Regelung für Erwachsene im Alter zwischen 18 und 74 Jahren geeinigt, die lediglich eine chronische Erkrankung haben und auch nur ein Rx-Arzneimittel dafür bekommen, bemängelt die Plattform. Zudem beschränkt sich die Regel auf die vier Krankheitsbilder Bluthochdruck, Schilddrüsenunterfunktion, idiopathische Gicht und Fettstoffwechselstörung.

„Wer typische Begleiterkrankungen hat, fällt aus der Regelung heraus. Ein Patient mit Bluthochdruck und gleichzeitig erhöhten Cholesterinwerten muss weiterhin quartalsweise vorstellig werden, um seine elektronische Gesundheitskarte vorzulegen. Meist ohne jegliche ärztliche Intervention, sondern zu Abrechnungszwecken“, kritisiert Gesund.de weiter.

Nur noch für ein halbes Jahr

Auch die Kürzung der Versorgungspauschale auf nur noch ein halbes Jahr sei nicht förderlich. „Wenn Hausärztinnen und Hausärzte die neue Regelung anwenden wollen, entsteht damit vor allem eines: zusätzliche Arbeit“, stellt die Plattform klar. Im Alltag sei die neue Pauschale damit kaum umsetzbar.

„Geht am Praxisalltag vorbei“

„So gut gemeint die Pauschale ist, sie geht am Praxisalltag vorbei. Die Bedingungen sind so eng gefasst, dass kaum ein Patient sie erfüllt. Statt einer Entlastung entsteht ein zusätzlicher zeitintensiver Prüfaufwand. Wenn wir Patienten und Praxisteams wirklich entlasten wollen, müssen wir alltägliche Praxisabläufe einfacher machen, nicht komplexer“, so Annette Rennert, Hausärztin und stellvertretende Vorsitzende des Beirats von Gesund.de.

Hier bleibe also viel Potenzial ungenutzt. Zudem könnten digitale Prozesse Folgerezepte und Routinevorgänge übernehmen. „Die Grundidee hinter der Versorgungspauschale ist richtig: Niemand sollte allein aus bürokratischen Gründen mehrfach im Jahr eine Arztpraxis aufsuchen müssen. Die jetzige Umsetzung bleibt jedoch deutlich hinter den Möglichkeiten zurück“, so CEO Dr. Peter Schreiner. „Millionen von Menschen mit mehreren chronischen Erkrankungen, die von einer Entlastung besonders profitieren würden, werden von der Regelung nicht erfasst. Aus Sicht einer patientenzentrierten Versorgung ist das eine vertane Chance.“

Es lohne der Blick nach Österreich. E-Rezepte für Dauermedikamente können hier einfach telefonisch oder digital bei der Praxis angefordert werden.

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