Fast jeder Patient hat Arzneimittelprobleme

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Berlin - Bis Ende Juni müssen sich Deutscher Apothekerverband (DAV) und GKV-Spitzenverband auf einen Katalog an pharmazeutischen Dienstleistungen einigen, die ab 1. Januar mit insgesamt 150 Millionen Euro plus Umsatzsteuer vergütet werden. Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) legt jetzt eine Studie vor zum Nutzen von Medikationsanalysen.

Strukturierte Medikationsanalysen in der Apotheke erhöhen die Arzneimitteltherapiesicherheit massiv, so die die Ergebnisse einer Beobachtungsstudie der Universität Bonn unter Leitung von Professor Dr. Ulrich Jaehde zum AMTS-Ausbildungskonzept der AKWL. Bei 98 Prozent der Patient:innen wurde demnach mindestens ein arzneimittelbezogenes Problem (ABP) dokumentiert. Im Mittel wurden je Patient:in sieben ABP dokumentiert, die in den allermeisten Fällen (91,6 Prozent) mindestens einen Handlungs- oder Informationsbedarf auslösten.

Insgesamt verursachten 60 Prozent aller eingenommenen Arzneimittel ABP. Drei Viertel davon entfielen auf verschreibungspflichtige Arzneimittel. Einbezogen wurden 323 Medikationsanalysen von Versicherten der AOK Nordwest, die AMTS-Manager:innen aus insgesamt 87 Apotheken in Westfalen-Lippe durchgeführt hatten.

„Aus früheren Untersuchungen war uns bereits bekannt, dass nur etwa jeder 16. ärztliche Medikationsplan dem tatsächlichen Einnahmeverhalten der Patient*innnen entspricht“, kommentiert AKWL- und Abda-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening. „Die neue Beobachtungsstudie zeigt, wie relevant und wie wirksam apothekerliche Medikationsanalysen für die Patientinnen und Patienten sind, zumal es bei einem signifikanten Anteil gelang, die von den Apothekerinnen und Apothekern formulierten Empfehlungen umzusetzen.“

Adhoc sei dies bei 41,9 Prozent der Patient:innen gelungen. Bei denjenigen Patientinnen und Patienten, für die nach drei Monaten eine Nacherhebung durchgeführt wurde (227 von 323 Studienteilnehmer:innen), lag die Umsetzungsrate sogar bei 61,6 Prozent.

Das im Dezember verabschiedete Apotheken-vor-Ort-Stärkungsgesetz (VOASG) sieht vor, dass pharmazeutische Dienstleistungen wie Medikationsanalysen ab dem kommenden Jahr verlässlich etabliert werden sollen. „Diese Studie untermauert, wie gut die Apothekerinnen und Apotheker bereits auf diese Aufgabe vorbereitet sind. Mit jeder Medikationsanalyse nimmt dabei ihre Kompetenz auf diesem Feld zu. Davon profitieren sowohl die betreuten Patientinnen und Patienten als auch die verordnenden Ärztinnen und Ärzte“, betont Overwiening.

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