Studienergebnisse

Semaglutid bremst Verschlimmerung von Depressionen

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Berlin -

Menschen mit Diabetes oder Adipositas leiden häufiger als die allgemeine Bevölkerung an Depressionen und Angstzuständen. Ob GLP-1-Rezeptor-Agonisten dieses Risiko reduzieren oder verschärfen, war bislang ungewiss. Die Ergebnisse einer neuen Studie zeigen: Bei Menschen, die GLP-1-Rezeptoragonisten anwenden, sinkt das Risiko für eine Verschlechterung von psychischen Erkrankungen.

Menschen mit Diabetes weisen ein höheres Risiko auf Depressionen und Angstzustände zu entwickeln als die gesunde Bevölkerung. Zudem besteht ein erhöhtes Todesrisiko durch Selbstmord. „Es scheint eine kreisförmige Beziehung zwischen metabolischer Dysregulation – wie bei Diabetes oder Fettleibigkeit – und Angstzuständen und Depressionen zu geben“, vermuten die Forschenden.

GLP-1 gegen Depressionen

In der Studie „Association between GLP-1 receptor agonist use and worsening mental illness in people with depression and anxiety in Sweden“ lag der Fokus deshalb auf dem Risiko von GLP-1-Rezeptoragonisten, eine bestehende psychische Erkrankung zu verschlechtern. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht.

Das Team um Heidi Tapale, Abteilung für klinische Neurowissenschaften, Karolinska Institutet, Stockholm in Schweden, nutzte dazu Daten aus nationalen schwedischen elektronischen Gesundheitsregistern. DIe Kohorte umfasste Menschen mit einer Diagnose von Depressionen oder Angststörungen, die zwischen den Jahren 2009 und 2022 Antidiabetika verwendeten. Untersucht wurde die Wirkung von GLP-1-Medikamenten sowohl einzeln als auch in der Gruppe aus verschiedenen Wirkstoffen. Verglichen wurden die Daten dabei einerseits mit Personen, die gar keine GLP-1-Mittel nahmen, und andererseits mit Personen, die auch andere Arten von Diabetes-Medikamenten anwandten.

Insgesamt wurden so die Daten von 95.490 Personen erfasst, wovon 56.976 weiblich und 38.514 männlich waren und ein durchschnittliches Alter von etwa 50 Jahren hatten. „Wir untersuchten das Risiko einer Verschlechterung der psychischen Erkrankung bei Menschen, bei denen bereits depressive oder Angststörungen diagnostiziert wurden, denen verschiedene antidiabetische Medikamente verschrieben wurden, einschließlich GLP-1-Rezeptoragonisten.“

Semaglutid und Liraglutid

Die Forschenden fassen die Ergebnisse folgendermaßen zusammen: „Für Angstzustände und Depressionen, die mit Diabetes und Fettleibigkeit, Semaglutid und in geringerem Maße auftreten, könnten Semaglutid und Liraglutid sinnvolle und doppelt wirksame, therapeutische Optionen sein.“ Konkret: „GLP-1-Rezeptor-Agonisten könnten eine Verschlechterung von Depressionen und Angstzuständen verhindern“, so die Forschenden, „aber auch den Stoffwechsel regulieren“. So könnte der Teufelskreis aus metabolischer Dysregulation und psychischen Erkrankungen durchbrochen werden.

Bei den Wirkstoffen Semaglutid und Liraglutid war der Effekt am stärksten. Das Risiko für eine psychische Verschlechterung sank bei der Anwendung von Semaglutid um 42 Prozent, bei beiden Geschlechtern gleichermaßen. Bei Liraglutid konnte eine Veringerung um 18 Prozent festgestellt werden, allerdings nur bei weiblichen Personen. Bei Exenatid und Dulaglutid konnte kein schützender Effekt festgestellt werden, so die Forschenden.

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