Sars-CoV-2: Tuberkulose-Impfung als Schutz?

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Berlin - Die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das neuartige Coronavirus ist aufwendig und kostet Zeit. Währenddessen wird in alle Richtungen nach neuen Möglichkeiten zur Behandlung von Covid-19 oder gar zum Schutz einer Erkrankung geforscht. Wissenschaftler wollen nun den Einsatz von Tuberkulose-Impfungen testen.

Schutz durch Aktivierung des Immunsystems?

Eine Impfung mit Lebendviren löst im Körper eine unspezifische Immunreaktion aus. Diese führt nicht nur zum Impfschutz, sondern kann möglicherweise aufgrund der angeregten Abwehrkräfte auch vor anderen Krankheiten schützen. Forscher wollen nun Tuberkulose-Impfungen einsetzen und deren Schutzwirkung in Bezug auf Sars-CoV-2 ermitteln. In den Niederlanden wird die Impfung mit einem abgeschwächten Tuberkulose-Erreger, dem sogenannten „Bacillus Calmette-Guérin“ (BCG) durchgeführt. Auch andere Länder wie Australien und England wollen den Ansatz testen.

Studien auch in Deutschland

Außerdem sollen in Deutschland an mehreren Kliniken eine großangelegte Studie durchgeführt werden: Das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie will seinen neu entwickelten Tuberkulose-Impfstoff an älteren Menschen und Beschäftigten im Gesundheitswesen testen. Wissenschaftler hoffen, dass dieser wirkt und die Zeit bis zur eigentlichen Impfstoff-Findung überbrücken kann. In Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass der Impfstoff nicht nur vor Tuberkulose, sondern auch vor Virusinfektionen der Atemwege schützen kann. Er wird derzeit in einer Phase-III-Studie an erwachsenen Probanden in Indien getestet, die Mitte dieses Jahres abgeschlossen sein soll.

Anregung der unspezifischen Immunabwehr

Die These der möglichen Immunsystem-Aktivierung gegen andere Erkrankungen ist noch immer umstritten, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte sie 2014 jedoch als plausibel ein. Inzwischen können dies auch experimentelle Befunde untermauern. Forscher aus dem niederländischen Nijmegen haben gesunde Probanden mit BCG oder Placebo geimpft. Nach vier Wochen erhielten sie einen Gelbfieber-Impfstoff aus infektösen, aber nicht pathogenen Viren. Bei der Gruppe, die zuvor mit BCG geimpft worden war, konnte ein geringerer Anstieg der Gelbfieber-Impfstoffviren im Blut nachgewiesen werden. Dies wurde mit einer vermehrten Produktion von Interleukin-1-beta begründet, einem Zytokin der Monozyten. Diese wiederrum sind Teil der unspezifischen Immunabwehr.

Ab der nächsten Woche sollen dem Fachjournal „Science“ zufolge in acht Krankenhäusern 1000 Mitarbeiter im Zuge einer Studie mit BCG oder Placebo geimpft werden. Endpunkt soll die Zahl der Beschäftigten sein, die während der Sars-CoV-2-Epidemie krankheitsbedingt ausfallen. Für weitere Tests zum Einfluss auf die Dynamik der Viren, wie etwa der Konzentration in regelmäßigen Abstrichen, fehle jedoch das Geld.

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