Startschuss für Impfstoffstudie in Deutschland | APOTHEKE ADHOC
Vakzine gegen Sars-CoV-2

Startschuss für Impfstoffstudie in Deutschland

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Berlin -

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat die erste klinische Prüfung eines Impfstoffkandidaten gegen Sars-CoV-2 in Deutschland zugelassen: Das Mainzer Unternehmen BioNtech hat die Genehmigung erhalten, seinen Impfstoff an gesunden Freiwilligen zu testen.

Im Vorfeld der Studie wurde das potenzielle Nutzen-Risiko-Profil des Impfstoffkandidaten sorgfältig bewertet. Dieses Verfahren konnte in nur vier Tagen abgewickelt werden, sodass nun die Erprobung am Menschen starten kann. Diese ersten klinischen Studien seien wichtig, um die generelle Verträglichkeit von Impfstoffkandidaten und ihre Fähigkeit zu ermitteln, eine spezifische Immunantwort gegen den Erreger zu erzeugen, erklärte das PEI. Ziele seien die schnelle Entwicklung, klinische Testung und Zulassung eines verträglichen und wirksamen Impfstoffes. Zudem soll die Induktion einer lang andauernden Gedächtnis-Immunantwort, die vor SARS-CoV-2-Infektionen und Covid-19 schützt, erreicht werden. Die klinische Prüfung umfasst vier Impfstoffkandidaten, die in verschiedenen Impfschemata untersucht werden – Prime-Impfung sowie Prime- und Boost-Impfung. Das Forschungs- und Entwicklungskonzept startete im Januar und beinhaltete Synthese und Testung von etwa 20 mRNA-Impfstoffkandidaten, von denen sich vier als besonders wirksam zeigten.

Klinische Prüfung in mehreren Etappen

Zunächst werden in der klinischen Prüfung 200 gesunde Probanen im Alter zwischen 18 und 55 Jahren mit einer von mehreren gering modifizierten Impfstoffvarianten geimpft. Anschließend folgt eine Wartezeit zur Beobachtung der Geimpften. Im Anschluss soll im zweiten Studienarm eine klinische Prüfung mit etwa 500 Patienten stattfinden. Hierbei soll es sich um Risikopatienten, älter als 55 Jahre handeln. Teil B werde erst auf Grundlage von Interimsberichten von Teil A vom PEI genehmigt. Die Studien der Phasen II und III sollen schließlich an Tausenden Probanden durchgeführt werden. Vorher müssten jedoch weitere Studiendaten eingereicht werden, erläutert das PEI.

Im bereits genehmigten Teil der klinischen Prüfung würden zunächst verschiedene Varianten des RNA-Impfstoffs geprüft: Neben der Verträglichkeit wird die Fähigkeit zur Erzeugung einer Immunantwort auf Sars-CoV-2 nach Gabe einer bestimmten RNA-Menge untersucht – getestet würden Dosen von 1 Mikrogramm bis 100 Mikrogramm. Dabei werden unterschiedliche RNA-Typen und unterschiedliche Längen und Modifikationen des Spikeproteins getestet sowie der Einfluss einer zweiten Impfung geprüft.

Wie sieht der Impfstoff aus?

Die BNT162 Covid-19-Impfstoffentwickung umfasst drei verschiedene Technologien, wie Ugur Sahin von BioNTech erklärt:

  • Uridine mRNA (uRNA) mit einer starken Adjuvanz Wirkung und einer Aktivität in geringen Dosen und einer starken Antikörperantwort.
  • Nucleoside-modifizierte mRNA (modRNA) mit mäßiger Adjuvanz Wirkung und sehr starker Antikörperantwort.
  • Self-amplifizierende mRNA (saRNA), die als einmalige Injektion verabreicht wird und eine lange Aktivität erreicht. Die Antikörperantwort ist sehr stark, ebenso die T-Zellantwort. Ein potenter Impfschutz könne schon in geringen Dosen erreicht werden – etwa 60x geringere Dosierung im Vergleich zu uRNA-präklinischen Modellen.

Der RNA-Impfstoff enthält die genetische Information für den Bau des sogenannten Spikeproteins des CoV-2 oder Teilen davon in Form der Ribonukleinsäure (RNA). Bei einer solchen Impfung wird die genetische Information für den Bau eines ungefährlichen Erregerbestandteils in den Körper injiziert. Die RNA wird dann in die Körperzellen des Geimpften aufgenommen und beim Bau des Erregerbestandteils von den Zellen genutzt. Dadurch werden nicht infektiöse Erregerbestandteile produziert. Das Immunsystem erkennt diese und identifiziert die Körperzellen, die diese Bestandteile „gebaut“ haben, als vermeintlich infizierte Zellen – dadurch wird eine Immunantwort eingeleitet, die im Falle eines erneuten Eindringens des Erregers die Infektionskrankheit verhindert oder den Verlauf abmildert.

Mehrere Impfstoffe nötig

Vier weitere Kandidaten befinden sich weltweit in den ersten klinischen Prüfungen: Ein RNA-Impfstoff der Firma Moderna in den USA, ein DNA-Impfstoff des US-Biotech-Unternehmens Inovio und zwei Vektor-Impfstoffe auf Adenovirusbasis in China und Großbritannien. Das PEI geht davon aus, dass in den nächsten Monaten noch weitere klinische Prüfungen von Covid-19-Impfstoffkandidaten in Deutschland beginnen werden. „Wir werden letztlich mehrere Impfstoffe brauchen“, erklärte PEI-Präsident Professor Dr. Klaus Cichutek. Dies sei nötig, um den hohen Bedarf decken zu können. Außerdem sei bereits absehbar, dass die Impfstoffe unterschiedliche Eigenschaften haben werden. In den USA wurde bereits vor etwa einem Monat erstmals ein Sars-CoV-2-Impfstoff am Menschen appliziert: Insgesamt 45 gesunde freiwillige Teilnehmer zwischen 18 und 55 nahmen an dem Test in einem Forschungsinstitut in der nordwestlichen Metropole Seattle teil, wie die zum US-Gesundheitsministerium gehörenden National Institutes of Health (NIH) mitteilten.

 

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