Multiple Sklerose

Ocrelizumab: Therapie auch ohne Zulassung Nadine Tröbitscher, 20.03.2017 11:58 Uhr

Berlin - Die in Schüben auftretende Multiple Sklerose (MS) kann mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden. Für die schleichenden Formen – Primär Progrediente MS (PPMS) und Sekundär Progrediente MS (SPMS) – gibt es bislang keine Therapie. Mit Ocrevus (Ocrelizumab, Roche) steht nun ein Wirkstoff zur Behandlung der PPMS kurz vor der Zulassung.

Ocrelizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der sich von dem bekannten Krebs- und Rheumamittel Rituximab ableitet. Der Wirkstoff richtet sich selektiv gegen CD20-positive B-Lymphozyten. Diese speziellen Immunzellen sind vermutlich für die Schädigung der die Nervenfasern schützenden Myelinscheiden und der Axone verantwortlich. In der Folge können Behinderungen entstehen.

Ocrevus könnte diese Neurodegenerationen ausbremsen. Der Arzneistoff bindet spezifisch an CD20-positive B-Zellen und interagiert nicht mit Zellen des Immunsystems. Neue B-Zellen werden weiterhin gebildet und das Gedächtnis des Immunsystems wird nicht beeinträchtigt. Entzündungen werden dagegen unterdrückt, Schübe vermindert und die fortschreitende Behinderung verlangsamt.

Das Medikament könnte nach Zulassung alle sechs Monate zu 600 mg als Infusion verabreicht werden. Die Wirksamkeit wurde in den Opera- und Oratorio-Studien belegt, die im „New England Journal of Medicine“ (NEJM) veröffentlicht wurden. Die Oratorio-Studie schließt Daten von etwa 700 Patienten ein.

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