Weil unter der Behandlung mit dem Antiepileptikum Ontozry Fälle schwerer Leberschädigung auftraten, gibt es für das Präparat nun neue Sicherheitsinformationen.
Der Pharmakovigilanzausschuss (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hatte über die Fälle schwerer Leberschädigungen im Rahmen der Behandlung mit Cenobamat (Ontozry) berichtet. Das Epilepsiemedikament soll bei einigen Patienten auch akutes Leberversagen ausgelöst haben. Nahmen Epileptiker:innen noch zusätzlich andere Antiepileptika ein, so traten die gemeldeten Ereignisse gehäuft auf.
Die Behörde hatte aufgrund der Ereignisse eine Direct Healthcare Professional Communication (DHPC) veröffentlicht. Diese enthält neue Anforderungen an das Monitoring und das klinische Management unter der Cenobamattherapie. So sollen potenzielle Leberschäden frühzeitig erkannt, Risikokonstellationen besser berücksichtigt und schwerwiegende Verläufe vermieden werden.
In der Produktinformation von Ontozry werden erhöhte Leberenzymwerte als häufige Nebenwirkung aufgeführt. Heißt konkret: Ein Patient von zehn Behandelten kann betroffen sein. Der PRAC empfiehlt nun, dass Leberschädigungen als seltene Nebenwirkung in die Fachinformation aufgenommen wird.
Werden Patienten auf Ontozry eingestellt, sollen Ärztinnen und Ärzte noch vor Therapiebeginn einen Leberfunktionstest durchführen. Außerdem sind laut der Behörde engmaschige Kontrollen der Leberwerte empfohlen. So sollen mögliche Veränderungen frühzeitig erkannt und behandelt werden können.
Patient:innen wird empfohlen, auf klinische Symptome einer möglichen Leberschädigung zu achten. So kann Appetitlosigkeit, dunkel verfärbter Urin, aber auch eine ausgeprägte Müdigkeit auf eine Leberschädigung hinweisen. Hinzu kommen Symptome wie Druck- oder Schmerzgefühl im rechten Oberbauch und eine Gelbfärbung der Haut. Bemerken Betroffene solche Symptome, sollen sie sich umgehend an ihre Ärztin oder ihren Arzt wenden, um die Symptome abzuklären und die Leberwerte zu messen, rät die EMA. Das schnelle Handeln sei essenziell, um ein Fortschreiten der Leberschädigung zu verhindern und schwere Komplikationen zu vermeiden.
Nach Auswertung der Laborwerte sollten Ärzt:innen, wenn nötig, eine Dosisreduktion oder ein Absetzen von Cenobamat in Betracht ziehen. Dabei ist zu beachten, dass Ontozry nicht abrupt abgesetzt werden darf, da es zu vermehrten epileptischen Anfällen kommen kann, die mitunter lebensbedrohlich sein können. Der Wirkstoff muss unter ärztlicher Kontrolle langsam ausgeschlichen werden.
Ontozry ist ein verschreibungspflichtiges Antiepileptikum zur Zusatzbehandlung fokaler Anfälle bei Erwachsenen, die trotz Vorbehandlung mit mindestens zwei Medikamenten nicht ausreichend kontrolliert sind. Cenobamat wirkt über einen dualen Mechanismus: Es moduliert positiv den GABA-Rezeptor und blockiert spannungsabhängige Natriumkanäle, wodurch wiederholtes neuronales Feuern reduziert wird. Dadurch wird die Übererregbarkeit im Gehirn reduziert, die zu den Anfällen führt.
Cenobamat wird fast vollständig in der Leber verarbeitet. Dabei nutzt der Wirkstoff verschiedene Enzymwege – vor allem Glucuronidierung und Oxidation über Cytochrom-P450-Enzyme. Wenn die Leber große Mengen des Wirkstoffs umwandeln muss, können Stoffwechselzwischenprodukte entstehen, die für die Hepatozyten belastend sind.
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