Hauterkrankungen

Krebsrisiko Schuppenflechte?

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Berlin -

Mittlerweile ist bekannt, dass die Schuppenflechte – medizinisch auch Psoriasis genannt – mit einigen Komorbiditäten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arthritis oder psychischen Beschwerden einhergehen kann. Wissenschaftler aus Manchester konnten nun ebenfalls ein erhöhtes Krebsrisiko belegen.

Die chronisch-entzündliche Hauterkrankung macht sich durch charakteristische stark schuppende, rötlich-entzündete Hautstellen bemerkbar. Häufig sind die betroffenen Stellen von silbrig-glänzenden Schuppen bedeckt und die sogenannten Plaques sind leicht erhaben. Meist sind sie rundlich und klar von der umliegenden Haut abgegrenzt. Häufig sind Ellbogen, Knie, der behaarte Kopf und die Haut hinter den Ohren befallen. Betroffene leiden nicht nur unter starken Schmerzen, sondern auch unter extremem Juckreiz oder Brennen der Haut.

Etwa zwei Millionen Deutsche leiden unter den Symptomen der Schuppenflechte. Oft sind nicht nur die stark verhornten und geröteten Hautstellen quälend: Ausgrenzung und Stigmatisierung lässt Betroffene auch emotional leiden. Betroffene entwickeln neben der eigentlichen Hauterkrankung oft auch psychische Erkrankungen: Eine epidemiologische Studie aus Dänemark zeigte beispielsweise, dass Psoriatiker doppelt so häufig von Depressionen betroffen sind wie die Allgemeinbevölkerung. Auch andere Erkrankungen treten bei Menschen mit Schuppenflechte häufiger auf.

Um Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko zu ermitteln, analysierten britische Forscher nun 58 Beobachtungsstudien: Das Ergebnis: Wer unter Schuppenflechte leidet, hat generell ein um etwa 18 Prozent erhöhtes Krebsrisiko, bei einer schweren Form sind es sogar 20 Prozent. Das Risiko wurde zudem für verschiedene Krebsarten differenziert ermittelt. Die höchsten relativen Risiken (RR) lagen bei Krebserkrankungen in der Mundhöhle, Speiseröhre, Leber und dem Kehlkopf. Auch an Dickdarmkrebs, Nierenkrebs, Lymphomen und Pankreaskarzinomen erkranken Menschen mit Schuppenflechte den Ergebnissen zufolge häufiger. Außerdem war ebenfalls das Sterberisiko durch Krebs bei Patienten mit schwerer Psoriasis insgesamt höher, als bei Menschen ohne Hauterkrankung. Die britischen Wissenschaftler appellieren vor allem an Dermatologen: Ihnen sollte das erhöhte Krebsrisiko bewusst sein, damit rechtzeitig Früherkennungsmaßnahmen in die Wege geleitet werden können. Dennoch seien weitere Studien notwendig, um die zugrunde liegenden Mechanismen des erhöhten Risikos zu verstehen.

Die Ursachen der Schuppenflechte sind bis heute nicht vollständig geklärt. Ein wesentlicher Aspekt ist die genetische Veranlagung, die aber nicht zwingend zum Ausbruch der Krankheit führen muss. Durch verschiedene Auslöser, häufig auch Trigger genannt, kommt es dann zu ersten Symptomen. Diese können vielfältig sein: Infekte durch Streptokokken, wie eine Mandelentzündung, aber auch ungesunde Ernährung, Hormonschwankungen in Schwangerschaft und Pubertät oder psychische Faktoren kommen als Auslöser in Frage. Auch verschiedene Medikamente wie ACE-Hemmer, Betablocker und Statine sollen den Ausbruch einer Psoriasis begünstigen oder deren Verlauf verschlimmern können.

Die Behandlung der Schuppenflechte erfolgt meist zunächst topisch. Für die äußerliche Anwendung gibt es Cremes, Gele, Salben, Lotionen, Lösungen oder Schäume. Letztere eignen sich vor allem für den behaarten Kopf. Akute Schübe werden meist mit Kortikoiden oder Vitamin-D-Derivaten behandelt, bis die Beschwerden abklingen. Auch Präparate mit Steinkohlenteer können helfen. Einige Therapieformen, wie beispielsweise die „PUVA-Therapie“ arbeiten nach dem Auftragen von verschiedenen Wirkstoffen zusätzlich mit UV-Licht.

Bei schwereren Formen reichen äußerliche Behandlungen meist nicht aus: hier kommen orale Darreichungsformen oder Injektionen zum Einsatz. Diese systemischen Therapien wirken immunsuppressiv und regulieren die übersteigerte Immunreaktion. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Fumarsäureester, Methotrexat oder Ciclosporin. Eine weitere Behandlungsform sind Biologicals: Es handelt sich um aus Zellkulturen gewonnenen Proteine oder Antikörper, die gezielt in die Immunregulation eingreifen.

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