Rote-Hand-Brief zu Litfulo (Ritlecitinib)

JAK-Inhibitoren: Schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse

, Uhr
Berlin -

Der Zulassungsinhaber von Litfulo informiert in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) darüber, dass die bekannten Risiken von JAK-Inhibitoren auch für Ritlecitinib relevant sind.

Der Zulassungsinhaber Pfizer Europe informiert über neue Erkenntnisse zu Litfulo mit dem Wirkstoff Ritlecitinib. Demnach liegen aktualisierte Empfehlungen zur Minimierung des Risikos für schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse, maligne Erkrankungen, venöse Thromboembolien, schwerwiegende Infektionen und Mortalität vor.

Risiken der JAK-Inhibitoren

Zu den bekannten Risiken von JAK-Inhibitoren zählen:

  • schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse (MACE)
  • maligne Erkrankungen
  • schwerwiegende Infektionen
  • venöse Thromboembolien (VTE)

Diese sind auch für Ritlecitinib relevant.

Folgende Patientinnen und Patienten sollten Ritlecitinib nur anwenden, wenn keine geeigneten Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen:

  • Personen, die 65 Jahre und älter sind
  • bei atherosklerotischen kardiovaskulären Erkrankungen in der Vorgeschichte
  • bei anderen kardiovaskulären Risikofaktoren, wie bei aktuellen oder ehemaligen Langzeitrauchern
  • Personen mit Risikofaktoren für maligne Erkrankungen, wie eine aktuelle oder zurückliegende maligne Erkrankung
  • bei Patientinnen und Patienten mit anderen als den oben genannten Risikofaktoren für VTE sollte Ritlecitinib mit Vorsicht angewendet werden.

Außerdem werden regelmäßige Hautuntersuchungen zur Früherkennung von Hautkrebs bei allen Patientinnen und Patienten empfohlen.

Zum Hintergrund

Ritlecitinib zählt zu den selektiven Inhibitoren von JAK3 und Kinasen der TEC-Familie. Im September 2023 wurde der Wirkstoff für die Behandlung der schweren Alopecia areata (AA) bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren zugelassen.

Für Cibinqo (Abrocitinib), Jyseleca (Filgotinib), Olumiant (Baricitinib), Rinvoq (Upadacitinib) und Xeljanz (Tofacitinib) wurde bereits 2023 ein Rote-Hand-Brief versendet. In diesem wurde darüber informiert, dass Patient:innen mit rheumatoider Arthritis (RA), die bestimmte Risikofaktoren aufwiesen und mit JAK-Inhibitoren behandelt wurden, eine erhöhte Inzidenz im Vergleich zu TNFα-Inhibitoren hatten von:

  • malignen Erkrankungen
  • schwerwiegenden unerwünschten kardiovaskulären Ereignissen (MACE)
  • schwerwiegenden Infektionen
  • venösen Thromboembolien (VTE)
  • Mortalität

Maßnahmen

Diese Risiken wurden als Klasseneffekte betrachtet. Zudem gelten sie als relevant für alle zugelassenen Indikationen von JAK-Inhibitoren bei entzündlichen und dermatologischen Erkrankungen. Die Konsequenz: Es wurden Maßnahmen für die gesamte Substanzklasse ergriffen, um diese Risiken zu minimieren.

„Als Teil der routinemäßigen Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses von Ritlecitinib durch die EMA gelangte man zu dem Schluss, dass die im Jahr 2023 zur Anwendung von Januskinase-Inhibitoren bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen auch für Ritlecitinib relevant sind“, heißt es im aktuellen Rote-Hand-Brief.

Produktinformation aktualisiert

Diese Einschätzung basiert auf der kumulativen Evidenz aus klinischen Studien und Daten nach der Markteinführung und in Ermangelung definitiver Daten, die belegen, dass die JAK3/TEC-Selektivität diese Risiken aufhebt. Die Produktinformation und das Schulungsmaterial von Litfulo werden entsprechend aktualisiert.

Abschließend kam die EMA zu dem Schluss, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Litfulo weiterhin positiv bleibt. Die aktualisierten Empfehlungen sollen die Maßnahmen zur Risikominimierung unterstützen und verstärken.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte