Infektionskrankheiten

Neues Bakterium verursacht Borreliose

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Berlin -

Forscher in den USA haben ein neues Bakterium entdeckt, das im Menschen Lyme-Borreliose auslöst. Das teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC mit. Bislang wurde die Krankheit nur mit dem Erreger Borrelia burgdorferi in Verbindung gebracht. Das neu entdeckte Bakterium ist vermutlich erst vor Kurzem entstanden.

Wissenschaftler der Mayo-Klinik in Minnesota waren dem Erreger durch Labortests auf die Spur gekommen. Sie hatten in den Jahren 2012 bis 2014 insgesamt 9000 Proben von Patienten mit Verdacht auf Borreliose untersucht. Sechs Patienten hatten einige untypische Symptome gezeigt. Bei der Analyse der Blutproben stießen die Forscher auf das neuartige Bakterium.

Der Keim stammt ebenfalls aus der Familie der Borrelien und erhielt den Namen Borrelia mayonii. Bei den infizierten Patienten traten Fieber, Kopf- und Nackenschmerzen sowie Hautausschlag auf. In späterem Stadium wurde auch Arthritis beobachtet. Anders als bei dem bislang bekannten Erreger scheint bei B. mayonii aber nicht die kreisförmige Wanderröte charakteristisch zu sein, sondern eine diffuse Rötung, begleitet von Übelkeit und Erbrechen. Insgesamt war die Bakterienzahl im Blut höher als in Patienten mit dem bekannten Bakterium.

Bislang ist der Keim nur in Nordamerika aufgetaucht. Alle Patienten stammen den US-Bundesstaaten Minnesota, Wisconsin und North Dakota. Dort vermutet das CDC auch die Region, in der das Bakterium bislang zu Hause ist. Ebenso wie B. burgdorferi wird eine Übertragung auf den Menschen durch Zeckenbisse angenommen.

In anderen Bundesstaaten sei der Erreger bisher noch nicht aufgetaucht. Die Experten schließen aber nicht aus, dass der Keim sich verbreitet. Es sei sehr wahrscheinlich, dass das Bakterium sich erst kürzlich entwickelt habe, so eine Sprecherin der CDC. Seit 2003 seien mehr als 100.000 Blutproben von Lyme-Patienten intensiv untersucht worden, ohne dass der Erreger aufgetaucht sei. Erst in den Proben seit 2012 habe man die neue Spezies identifiziert.

In Deutschland ist die Lyme-Borreliose weit verbreitet. Typische Risikogebiete gibt es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) dafür nicht. Im Rahmen einer repräsentativen Studie hatte das RKI festgestellt, dass bereits 7 Prozent der 14- bis 17-Jährigen mindestens einmal von einer infizierten Zecke gebissen worden sind. Aber bereits bei den Drei- bis Sechsjährigen lag die Rate derer, die Antikörper gegen Borrelien gebildet hatten, bei 3 Prozent. Der Anteil der Menschen mit Ansteckungen steigt mit dem Alter – auch weil die Antikörper bis zu zehn Jahre lang im Blut bleiben.

Anders als gegen die ebenfalls von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist gegen die Infektionskrankheit Borreliose keine Impfung möglich. Aufklärung und die richtige Kleidung – etwa lange Hosen in hohem Gras – gelten deshalb als die wichtigsten Schutzmaßnahmen.

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