Verbreitung von Sars-CoV-2

Feinstaub als Virus-Katapult?

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Berlin -

Eine hohe Feinstaubbelastung könnte möglicherweise die Verbreitung von Sars-CoV-2 begünstigen: Italienische Forscher wollen einen Zusammenhang entdeckt haben.

Ausgangssperren senken Feinstaubbelastung

Durch die Verhängung von Ausgangssperren und Kontaktverboten wurde das öffentliche Leben in vielen Ländern auf ein Minimum herabgesetzt. Auch die Nutzung von Autos und die Abgase von Fabriken wurden zum Teil erheblich reduziert. Satellitenbilder zeigten beispielsweise den Rückgang der Luftverschmutzung in China, auch die Stickstoffdioxid-Werte gingen zurück. Italienischen Forschern zufolge könnte der vermehrt im Winter auftretende Smog die Ausbreitung des Coronavirus sogar begünstigt haben. Demnach war die Luftbelastung in vor allem in Wuhan im Januar sehr hoch. Nach den Maßnahmen zur Virus-Eindämmung ging sie jedoch allmählich zurück. Feinstaub in Bezug auf die Verbreitung des Coronavirus sei vor allem interessant, weil bekannt sei, dass Viren und Bakterien sich auf Staubpartikeln oder organischen Teilchen aus dem Meeresdunst verbreiten könnten. Dabei können sie sogar bis in die Troposphäre aufsteigen und mit Winden Tausende von Kilometer weitertransportiert werden, bis sie wieder auf die Erde zurückfallen.

Hohe Luftverschmutzung = Hohe Infektionszahlen?

Das Wissenschaftlerteam aus Italien will einen Zusammenhang zwischen der Luftverschmutzung durch Feinstaub und der Häufung von Coronavirus-Infektionen gefunden haben. Für die Studie zogen sie die Feinstaub-Messwerte der Überwachungsstationen von Umweltschutzbehörden in der Po-Ebene heran und setzten diese mit den bestätigten Covid-19-Fällen in Bezug. Die Forscher gehen ebenfalls davon aus, dass die Viren auf Smog- und Feinstaubpartikeln mehrere Tage oder sogar Wochen in der Luft verbleiben können. Dabei würden sie durch Koagulationsprozesse an den Partikeln haften bleiben. Durch Temperatur und Sonneneinstrahlung kommt es zur Aufhebung der Bindung, hohe Luftfeuchtigkeit sorgt hingegen für eine längere Haftung.

Frühere Untersuchungen bestätigen Theorie

In ihrer Arbeit verweisen die Forscher auf mehrere Untersuchungen, die diese Art der Verbreitung bestätigen: Eine will beispielsweise zeigen, dass die Vogelgrippe über Sandstürme verbreitet werden kann. Eine vorangegangene chinesische Studie ermittelte demnach einen Zusammenhang zwischen der Zahl der Masernfälle in 21 Städten und der Höhe der 2,5PM-Feinstaubkonzentration. Feinstaubpartikel seien damit ein „wirksamer Vektor für den Transport, die Ausbreitung und die Proliferation von Virusinfektionen". Auch andere Umweltfaktoren könnten hereinspielen. Für weitere Ergebnisse seien solche Untersuchungen auch in anderen Ländern notwendig.

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