Finalgon will raus aus der Nische

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Berlin -

2009 musste Boehringer den Verlust seines Klassikers „Finalgon extra stark“ verkraften: In der Nachzulassung fiel das Produkt beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) durch. Einige Jahre später durfte der Konzern das Schmerzmittel zwar unter anderem Namen wieder einführen, allerdings fristet es seitdem in Kliniken und Arztpraxen ein Nischendasein. Das soll sich ändern: Mit neuen Studien versucht Boehringer, die Salbe für die Behandlung von Schmerzen zurück in die Sichtwahl zu bringen.

„Finalgon extra stark“ enthält 4 mg Nonivamid und 25 mg Nicoboxil pro Gramm und wurde schon in den 1950er Jahren als „Heilkissen in der Tube“ gegen Muskel- und Gelenkschmerzen beworben. Seit dem Aus darf Boehringer nur die halb so stark dosierte „Finalgon Wärmecreme stark“ vertreiben. Das ursprüngliche Produkt wurde zwar vier Jahre später als „Finalgon Salbe“ wieder eingeführt – ist aber nur noch zur Förderung der Hautdurchblutung im Vorfeld von kapillaren Blutentnahmen zugelassen. Auf die weitaus größere Indikation zur Schmerzbehandlung musste der Konzern verzichten.

Jetzt unternimmt Boehringer einen neuen Anlauf, um den Klassiker aus seiner Nische zu holen: Mit neuen Daten will der Hersteller die Indikation „Schmerz“ wieder in die Gebrauchsinformation aufnehmen lassen. In der dafür durchgeführten Studie schnitt die Wirkstoffkombination gegenüber der Placebogruppe signifikant besser ab: Die Patienten bewerteten die Schmerzen im unteren Rückenbereich nach vier Tagen im Vergleich zu Therapiebeginn als deutlich geringer.

Dass die Patienten aufgrund der Wärmeentwicklung durch die Wirkstoffe erkennen, ob sie in der Placebo- oder der Verumgruppe eingeteilt sind, hält Boehringer für unwahrscheinlich. Die Haut am Rücken sei zu unempfindlich, um einen Unterschied wahrzunehmen, so ein Sprecher. Wenn man den Patienten mitteile, dass mit einer Erwärmung zu rechnen sei, trete ein solcher Effekt häufig auch in der Placebogruppe auf.

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