OTC-Dachmarken

Finalgon: Stark ist relativ

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Berlin -

Bei Finalgon wird das Sortiment abermals umgestellt. Der Hersteller Boehringer Ingelheim hatte sich mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über die Dachmarke gestritten. Jetzt wird die „Wärmecreme stark“ umbenannt – weil sie schwächer ist als die Salbe ohne den Zusatz. Dafür darf die Variante mit Cayennepfefferextrakt ihren bisherigen Namen behalten.

Finalgon wurde 1951 von der Boehringer-Tochter Thomae eingeführt. Die Salbe enthielt 4 mg Nonivamid und 25 mg Nicoboxil pro Gramm, trug den Zusatz „extra stark“ und wurde als „Heilkissen in der Tube“ beworben. Zusätzlich gab es jahrelang ein Liniment mit 1,7 beziehungsweise 10,8 mg pro Gramm. Später kamen die Creme in der geringeren Dosierung sowie ein Pflaster mit Cayennepfeffer und Methylsalicylat dazu. 2008 übernahm Boehringer schließlich vom Zulassungsdienstleister Diapharm die Rechte für eine Creme mit Cayennepfefferextrakt.

Doch bei den älteren Präparaten wurde die Nachzulassung für Boehringer zum Problem. Denn die Wirkung von Wärmepräparaten lässt sich in Studien nur schwer nachweisen: Sobald es auf der Haut heiß wird, wissen die Patienten, dass sie kein Placebo erhalten haben. In Ingelheim verzichtete man auf Studien – und auf Teile des Geschäfts. Schon im Jahr 2000 verschwanden Liniment und Pflaster.

Im Mai 2009 erzielte Boehringer vor Gericht einen Kompromiss: Der Hersteller gab die extra-starke Variante auf und brachte vier Jahre später ein in der Zusammensetzung identisches Nachfolgeprodukt auf den Markt, das allerdings nicht mehr bei Muskel- und Gelenkbeschwerden zugelassen ist. Stattdessen kommt die neue Salbe zur Förderung der Hautdurchblutung im Vorfeld von kapillaren Blutentnahmen überwiegend in Kliniken zum Einsatz.

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