Sportverletzungen

Öko-Test: Schmerz- statt Wärmesalben

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Berlin -

Öko-Test hat 19 Salben und Gels gegen Muskel- und Gelenkbeschwerden untersucht, darunter sowohl Präparate mit chemischen als auch mit pflanzlichen Inhaltsstoffen. Berücksichtigt wurden Wirk- und Zusatzstoffe sowie die Deklaration. Dabei haben Wärmesalben besonders schlecht abgeschnitten.

Zur Analyse wurden sowohl Vertreter der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) – Diclofenac, Ibuprofen, Etofenamat, Flufenaminsäure, Piroxicam und Felbinac – herangezogen, als auch Präparate auf pflanzlicher Basis. Beispiele sind Capsaicin, Arnikablüten und Beinwellextrakt.

Empfohlen werden Schmerzsalben mit NSAR, die mit Wirksamkeit und Unbedenklichkeit punkten konnten. Zu den Spitzenreitern gehören Mobilat intens (Stada) und das Schmerzgel von Thermacare (Pfizer). Die Produkte mit Flufenaminsäure beziehungsweise Felbinac haben Öko-Test in jeder Hinsicht überzeugt.

Auch die Ibuprofen-haltigen Schmerzgels Proff (Ibuprofen, Dr. Theiss) und Dolobene (Recordati) könne man mit gutem Gewissen auftragen. Öko-Test berichtet von den Vorteilen der lokal angewendeten NSAR-Präparate, die sich im Vergleich zu den entsprechenden Tabletten durch ein niedrigeres Nebenwirkungsrisiko auszeichneten.

Arzneimittel mit Diclofenac seien zwar effektiver als Ibuprofen. Da aber hohe Konzentrationen des Wirkstoffs in Gewässern gefunden worden seien und dadurch Tiere sowie Pflanzen belastet würden, wurden die entsprechenden Präparate nur mit „befriedigend“ oder „ausreichend“ bewertet. Voltaren (GSK), Diclo Ratiopharm und Diclofenac Heumann könnten nur eingeschränkt empfohlen werden, so Öko-Test.

Wirkstoffe auf Basis von Cayennepfeffer und Capsaicin haben durch Erweiterung der Blutgefäße einen wärmenden Effekt. Die Wirksamkeit bei rheumatischen Beschwerden sei zwar belegt. Bei Sportverletzungen könnten ABC-Wärmecreme (Beiersdorf) und Hot Thermo Dura (Mylan) aber nicht empfohlen werden, da zudem umstrittene Inhaltsstoffe gefunden worden seien, so Öko-Test.

Auch die Anwendung von Salben mit Arnikablüten wie Doc (Hermes) oder diversen Produkte aus der Drogerie können nicht empfohlen werden, da laut Europäischer Arzneimittelagentur (EMA) keine Wirksamkeit nachgewiesen sei. Mangelhaft, urteilte Öko-Test.

Die Kytta-Schmerzsalbe (Merck) fiel durch. Für das Präparat mit Beinwellwurzelextrakt gebe es keinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis, außerdem wurden mehrere nicht deklarierte Duftstoffe mit Allergiepotential gefunden. Bemängelt wurde auch der Beipackzettel.

„Ungenügend“ gab es auch für Finalgon Wärmecreme Duo (Boehringer): Die Kombination aus Nonivamid und Nicoboxil führe zu mehr Nebenwirkungen und sei überflüssig. Weitere Kritikpunkte waren bedenkliche Inhaltsstoffe sowie nicht deklarierte Duftstoffe.

Nach akuten Sportverletzungen sollten keine durchblutungsfördernden Arzneimittel zu Anwendung kommen, vielmehr werde Eiskühlung empfohlen. Auch sei eine langfristige Anwendung von Salben mit NSAR nicht sinnvoll, denn dadurch würden Reparaturmechanismen des Körpers behindert. Eine Anwendung könne für die ersten drei Tage empfohlen werden. Einige Produkte würden mit einem Kühleffekt beworben – dies sei aber nur eine subjektive Empfindung ohne Wirkung in tieferen Gewebeschichten.

Nach Zahlen von IMS Health sind rezeptfreie Schmerzsalben die zweitstärkste OTC-Kategorie in der Apotheke nach Erkältungsmitteln: 2016 wurden 375 Millionen Euro mit den entsprechenden Produkten umgesetzt. Bei Empfehlung sämtlicher Präparate sollte das Nutzen-Risiko-Verhältnis beachtet werden, so Öko-Test. Zudem seien nicht alle Präparate mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Wirkstoffen bei Sportverletzungen zugelassen.

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