Arzneimittelmissbrauch

Codein: Hip Hop und Hustensaft APOTHEKE ADHOC, 31.03.2018 08:44 Uhr

Berlin - Das Magazin Stern hat sich in seiner aktuellen Ausgabe einem Subkulturtrend gewidmet, der aus den USA nach Deutschland übergeschwappt ist: dem Missbrauch von verschreibungspflichtigem Hustensaft als Rauschmittel. In der deutschen Hip-Hop-Szene werde es immer gängiger, sich mit „Purple Drank“ zu berauschen, einer Mischung aus Codein-haltigem Hustensaft, Sprite und zerkrümelten Bonbons. Daran sei auch der Versand von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln schuld, kritisiert die Bundesapothekerkammer (BAK).

„Ich trinke das, weil das so die nice amerikanische Droge ist“, zitiert der Stern einen Rapper mit dem vielsagenden Namen Hustensaft Jüngling. In seinen Texten widmet er sich offen dem Konsum, ist sich nach eigenen Angaben aber auch der Gefahren bewusst. „Man soll das Zeug nicht zu oft nehmen. Es ist schließlich ein Opiat. Das ist gefährlich.“ Trotzdem oder gerade deshalb habe es sich in den vergangenen Jahren mit Künstlern wie Moneyboy, Ufo361 oder Bonez MC auch in Deutschland immer mehr etabliert. Das Opiat sei eine wichtige Inspirationsquelle, erklärt Hustensaft Jüngling die Gründe für den Konsum: „Die Eindrücke sind viel stärker. Das heißt, man fühlt alles viel intensiver. Ich kann dadurch viel melodischere und harmonischere Songs machen.“

Ursprünglich stammt der Trend aus den USA, wo das Getränk in den 1960er-Jahren von Soul- und Blues-Musikern als preisgünstige Partydroge erfunden wurde. Heute ist es unter Namen wie Purple Drank, Lean, Sizzurp, Syrup oder Texas Tea weit verbreitet. Einer Umfrage unter Teenagern in North Carolina zufolge haben dort ein Drittel der Befragten bereits Erfahrungen mit Codein. Nicht zuletzt haben mehrere Hip-Hop-Stars der Droge zu Popularität verholfen: Lil Wayne beispielsweise geht offen damit um, dass er davon abhängig ist. A$AP Yams, Gründer des Hip-Hop-Kollektivs A$AP Mob, kostete es gar das Leben.

Normalerweise wird Codein als Mittel gegen Reizhusten oder mittelstarke Schmerzen verschrieben. Wie beim Opioid-Missbrauch sind jedoch die eigentlichen Nebenwirkungen Grund für den Konsum: „Durch das Opiat wird ganz viel Dopamin im sogenannten Suchtgedächtnis ausgeschüttet. Das sorgt für starke Euphorie“, zitiert das Magazin Rainer Thomasius, den ärztlichen Leiter des Suchtbereichs Kinder- und Jugendpsychiatrie im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Gleichzeitig findet aber auch eine Sedierung, also Beruhigung statt.“

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Coronavirus

Wissenschaftler uneinig

Corona-Übertragung: Rolle von Aerosolen weiter umstritten»

Covid19-Vakzine

AstraZeneca schließt Impfstoffdeal mit Brasilien»

Masken, Abstandsregeln & Co.

Infektionsschutz: Altmaier will Strafen»
Markt

Vektor-Impfstoff zeigt Wirkung

Janssen sieht Auslieferung für Anfang 2021»

Opiumtinktur als Rezepturarzneimittel

Retax und Staatsanwalt: Innocur warnt Apotheken»

Marktanalyse

OTC-Analgetika: Generika trumpfen im Marketing auf»
Politik

300 Millionen Dosen

GSK/Sanofi: EU schließt Corona-Impfstoff-Deal»

 RKI

Fallzahlen bleiben hoch: 870 neue Corona-Infektionen»

Digitalisierung

Bonusheft kommt in die ePA»
Internationales

Kooperation

GlaxoSmithKline steigt bei Curevac ein»

Walgreens Boots Alliance

Wegen Corona: Pessina streicht 4000 Stellen»

Österreich

Wirkstoffverordnung: Hersteller gegen Gesundheitsminister»
Pharmazie

Erweiterung der Äquivalenzdosen

Dosis-Umrechnung für Urologika»

Risiko von Medikationsfehlern minimieren

Leuprorelin: Applikation nur durch Fachpersonal»

Ophthalmologie

Beovu: Novartis sieht Wirksamkeit bestätigt»
Panorama

Apothekervermittlung aus dem Ausland

„Auf Kante genäht“: Bosnisches Apothekerpaar rettet Filiale»

Brennerei statt Labor

Apotheker entwickelt Gin & Co.»

Kostenfreier Vorbereitungskurs

Völker-Schule unterstützt ausländische PTA»
Apothekenpraxis

ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Apotheker hat pures Glück»

Rechenzentrum informiert Apotheken

Herstellerabschlag: Ärger mit ADL»

Wirkstoff.A

Die etwas andere Reiseapotheke»
PTA Live

Fachkräftemangel

Notdienstvermittlung für PTA»

Zäh und Klar

Dexpanthenol besser in Konzentraten verarbeiten»

Syrische Geschwister mit Bestnoten

„Apotheker ist das Ziel“»
Erkältungs-Tipps

OP-Maske, FFP und KN95

Wie schützt eine Mund-Nasen-Bedeckung vor Infekten?»

Immunsystem stärken, Hygiene beachten

Fünf Tipps zur Erkältungsvorbeugung»

Verbreitung von Krankheitserregern

Tipps zur Vermeidung von Schmier- und Tröpfcheninfektionen»
Magen-Darm & Co.

Pflanzlich oder Probiotisch

Fresh-Up: Reizdarmsyndrom»

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Colitis ulcerosa: Wenn der Dickdarm erkrankt»

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: Schubweises Leiden»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Ernährung, Sport und Vitamine

Schwanger zu werden, ist nicht nur Frauensache»

Bildergalerie

Schwangerschaftsmythen: Fakt oder Falsch?»

Bluthochdruck, Diabetes & Co.

Chronische Erkrankungen in der Schwangerschaft»
Medizinisches Cannabis

Wie setzt sich der Abgabepreis zusammen?

Cannabis-Rezept: Taxierung»

Interview mit Michael Becker

Cannabis-Prüftipps vom Pharmazierat»

Teil 2: Belieferung & Dokumentation

How to: Cannabisrezept»
HAUTsache gesund und schön

Gefahren bei falscher Pflege

Wimpern und Augenbrauen: Schützende Sensibelchen»

Isotretinoin, MTX & Co.

Hautpflege bei bestimmter Medikation»

Neue Kosmetikkonzepte

Hygiene in die Pflegeroutine integrieren»