Tilidin als Jugenddroge: Experten sorgen sich

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Berlin -

Schmerzmittel sind medizinisch ein Segen. Werden sie aber als Droge missbraucht, kann das schlimme Folgen haben. Unter Jugendlichen ist derzeit vor allem Tilidin beliebt – als euphorisierende Droge, die beruhigt und Kummer vertreibt. Experten sorgen sich.

Rapper thematisieren es vielfach in ihren Songs, und ein Geständnis des Musikers Capital Bra zu seiner Medikamentenabhängigkeit machte kürzlich medial die Runde: Der Konsum des verschreibungspflichtigen Schmerzmedikaments Tilidin erlebt seit geraumer Zeit eine Art Revival bei Jugendlichen – transportiert und nach Expertenansicht auch befördert durch die Stars der Rapkultur und ihre Songs wie „Tilidin“ von Capital Bra und Samra oder „Tilidin weg“ von Bonez MC.

„Gerade in der Hip-Hop-Szene – unter anderem auch durch Bekanntwerden von prominenten Betroffenen – verbreitet sich die Substanz zurzeit“, warnt Maurice Cabanis, Leitender Oberarzt der Klinik für Suchtmedizin und Abhängiges Verhalten am Klinikum Stuttgart. „Zudem sind Schmerzmittel derzeit zu einer Lifestyle-Droge geworden, die zunehmend von Jugendlichen und jungen Erwachsen konsumiert wird.“ Die Gefahren beim Missbrauch von Schmerzmitteln als Droge würden unterschätzt.

Zur Hochrisikogruppe gehören seinen Erfahrungen zufolge vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, die aus prekären Lebenssituationen kommen. Etwa, wenn sie vernachlässigt oder misshandelt wurden oder sexuelle Gewalt erleben mussten und traumatisiert sind. „Opioide bringen ein warmes und geborgenes Gefühl, das man zu Hause vielleicht nie hatte und nie gespürt hat“, sagt Cabanis. Wenn Tilidin dann in der Szene oder in Songs als Superdroge verherrlicht werde, sei dies fatal. Denn Tilidin könne süchtig machen; der Entzug sei je nach Konsummenge quälend, verbunden etwa mit starken Muskelschmerzen, Erbrechen, Unwohlsein, Zittern und Schwitzen.

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