Wann muss der Chef zahlen?

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Berlin -

In allen Apothekenberufen ist es wichtig, sich kontinuierlich fortzubilden. Das betrifft das jeweilige Fachwissen, aber auch allgemeine Kompetenzen wie Kommunikation. Doch vielerorts herrscht in Apothekenteams große Unsicherheit über die Rahmenbedingungen ihrer Fortbildung. Muss der Apothekeninhaber die Kosten übernehmen und die Fortbildungszeit als Arbeitszeit anerkennen? Immer wieder finden in deutschen Apotheken Diskussionen darüber statt. Und nicht jeder traut sich, mit dem Chef Klartext zu reden.

Erst vor Kurzem hat die PTA, die lieber anonym bleiben möchte, an einer Fortbildung teilgenommen. „Es ging um Homöopathie“, berichtet sie. Ihr Chef habe sie und eine weitere Kollegin zur Fortbildung geschickt, obwohl sie, wie sie zugibt, absolut keinen Bezug zur Homöopathie hat und daran schlicht nicht glaubt. „Dann ärgert es einen besonders, wenn die Fortbildung auch noch am Wochenende stattfindet“, so die PTA. „Dabei arbeiten wir schon jeden zweiten Samstag und dann geht immer wieder ein Samstag für Fortbildung drauf, die wir quasi in unserer Freizeit machen.“

Denn ob der Apothekeninhaber die von ihm angeordnete Fortbildung als Arbeitszeit anerkennt, ist nach wie vor unklar. „Viele trauen sich erst gar nicht, den Chef danach zu fragen. Dabei kommt es auch dem Apotheker zugute“, betont die PTA. „In den Regionen, in denen es viele PTA auf dem Markt gibt, trauen sich die Kolleginnen gar nicht, etwas zu sagen – aus Angst, ihren Job zu verlieren und keinen mehr zu finden.“ Zwar hat sie nach Rücksprache im Team ihren Chef darauf angesprochen. Dieser habe auch versprochen, darüber nachzudenken. Doch auch nach einigen Wochen gibt es keine Rückmeldung. „Ein zweites Mal so etwas anzusprechen, fällt noch einmal ein Stück schwerer“, sagt sie. „Vor allem in kleinen Teams hat man schlicht Angst, das Betriebsklima zu schädigen.“

Ob und wann muss der Chef eine Fortbildung bezahlen und wird die Zeit als Arbeitszeit anerkannt? In knapp 40 Prozent der Apothekenteams bestehen Unsicherheiten darüber. Das ergab die aktuelle APOSCOPE-Umfrage. Jeder Chef scheint es nach eigenem Gutdünken geregelt zu haben.

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