Posttraumatische Belastungsstörung

Trauma bei Soldaten: Krieg im Kopf

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Berlin -

Auch Jahre nach dem Ende des Kampfeinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan geht die Zahl der an Kriegstraumata erkrankten Soldaten kaum zurück. Im Jahr 2017 wurde bei 170 Soldaten eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) neu diagnostiziert, wie der Sanitätsdienst der Bundeswehr mitteilte. Im Vorjahr waren es fünf Fälle mehr. Heute befinden sich weniger deutsche Soldaten im Auslandseinsatz und werden seltener in Gefechte verwickelt wie etwa zu Hochzeiten des Afghanistan-Einsatzes.

„Theoretisch müssten die Zahlen runtergehen“, sagte ein Sprecher des Saniätsdienstes. Bei der Bundeswehr erklärt man sich das annähernd gleichbleibende Niveau der Neuerkrankungen vor allem damit, dass die Symptome zeitverzögert auftreten können. Es sei normal, dass ein Patient erst nach vielen Jahren zum Arzt gehe, sagte der Sprecher.

„Manche Folgen treten erst später auf“, meinte auch der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels. Zudem sei die Sensibilität für das Thema gewachsen. „PTBS wird heute in weiten Teilen angesehen wie physische Verwundung“ sagte der SPD-Politiker. „Das kann auch einem starken Menschen passieren.“ Es gebe hoch anerkannte Experten und Unterstützung durch zivile Therapeuten.

Man habe etwa mit anonymen Formularen und einer Hotline geholfen, die Hemmschwelle bei den Soldaten zu senken, sagte der Sprecher des Sanitätsdienstes. Die Bundeswehr will die Zahl der Therapeuten aufstocken. Die personelle Lage werde sich auf der Zeitschiene merklich verbessern, da verstärkt Ärzte die notwendige Facharztausbildung begonnen haben. Bartels forderte, dass die Stellen, die neu geschaffen wurden, zügig besetzt werden. Die Wartezeiten für die Behandlung müssten zudem weiter verkürzt werden.

Die posttraumatische Belastungsstörung ist eine psychische Erkrankung. Sie wird durch traumatische Ereignisse wie Gewaltverbrechen oder Kriegshandlungen ausgelöst, denen sich die Betroffenen hilflos ausgeliefert fühlen. Unter den deutschen Soldaten, die wegen PTBS ärztliche Hilfe suchen, bilden die Afghanistan-Rückkehrer seit Jahren die größte Gruppe.

56 Bundeswehr-Soldaten sind in Afghanistan seit 2002 ums Leben gekommen - das macht die Mission zur verlustreichsten in der Geschichte der Truppe. Früher waren zeitweise mehr als 5000 deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Derzeit sind es noch rund 1100. Der Kampfeinsatz der Nato in Afghanistan endete 2014. Die Bundeswehr ist nur noch zur Ausbildung und Beratung der afghanischen Streitkräfte im Land. Deutsche Soldaten dürfen nur zur Waffe greifen, um extreme Gefahr von sich und Verbündeten abzuwenden. 2015 zählte die Bundeswehr noch 235 PTBS-Neuerkrankungen.

Auch in vermeintlich friedlicheren Missionen können Soldaten Experten zufolge an PTBS erkranken. „Das kommt immer auf die Situation an“, sagte der Sprecher des Sanitätsdienstes. Auch im Kosovo könne eine Demonstration in Gewalt ausarten. „Scheinbar harmlose Einsätze wie die Seeraumüberwachung im Mittelmeer können zur Belastung werden, wenn ein Soldat ertrinkende Flüchtlinge sieht“, sagte Bartels.

Andere einsatzbedingte psychische Störungen wie Depressionen gehen dem Sanitätsdienst zufolge zurück. 2017 seien 104 solche Störungen neu festgestellt worden, 2016 seien es noch 143 gewesen. Der Sanitätsdienst erklärt sich den Rückgang an psychischen Erkrankten „mit der Abnahme der Intensität der Auslandseinsätze“. Aktuell sind nach Angaben des Einsatzführungskommandos rund 4500 deutsche Soldaten in Auslandseinsätzen weltweit.

Der Wehrbeauftragte Bartels schrieb in seinem aktuellen Jahresbericht 2017 von einer steigenden Zahl an Soldaten, die wegen einer einsatzbedingten psychischen Erkrankung in einer psychiatrischen Abteilung oder psychiatrischen Fachuntersuchungsstelle der Bundeswehr untersucht, behandelt oder begutachtet werden. 2017 waren es demnach 784 Soldaten (2016: 751). Dabei werden aber nicht nur Neuerkrankungen, sondern auch Altfälle gezählt. Neben PTBS würden andere einsatzbedingte psychische Störungen wie Depressionen, Anpassungsstörungen und Suchterkrankungen an Bedeutung gewinnen, schrieb Bartels.

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