In der Mogon-Apotheke in Mainz hat sich eine besondere Schaufenstergestaltung bewährt. Anlässlich des Christopher-Street-Days engagierte der Inhaber eine Dragqueen. Sie saß in den Auslagen und winkte der Kundschaft zu – mit Erfolg. Eine Fortsetzung ist geplant.
Florian Faßbender lud Ende Juli die Dragqueen Chardonnay von Tain in seine Apotheke, um Werbung zu machen. Mehrere Stunden saß sie mit glitzernder lilafarbener Abendrobe im Schaufenster und lächelte die Passanten an. Dabei hielt sie beispielsweise ein Schild hoch, auf dem stand: „Wer guckt, muss auch reinkommen.“
Für den Inhaber war die Aktion ein voller Erfolg: „Das Schaufenster war super! Es kam überraschenderweise keine einzige negative Reaktion im Laden. Viele haben sich gefreut und geschaut und gelacht, wenn sie gemerkt haben, dass das gar keine Schaufensterpuppe ist, sondern jemand, der winkt und mit frechen Sprüchen um sich wirft“, sagt der Apotheker.
Viele Menschen seien in die Apotheke gekommen und hätten Fragen gestellt und wollten Fotos machen. „Es war eine sehr schöne Aktion. Auch im Team kam das Event sehr gut an, wir hatten einen tollen Tag. Es gingen viele Info-Hefte der AIDS-Hilfe raus“, so der Apotheker. Zudem wurden Kondome mit dem Logo der Apotheke auf der Verpackung verschenkt. „Wir hatten auch tolle Rabatt-Aktionen an dem Tag mit unseren ‚Sponsoren‘ Orthomol und Avène und es gab auch ein Gewinnspiel.“
Die Aktion soll auf jeden Fall wiederholt werden. „Auch Chardonnay hatte einen tollen Tag und meinte, dass sie in den paar Stunden in den sozialen Netzwerken mehr Aufmerksamkeit erregt habe, als sonst mit ihren normalen Shows. War halt einfach mal was anderes.“ Auch andere Apotheker:innen aus Mainz seien vorbeigekommen und hätten das Schaufenster begutachtet.
Aus der Branche habe es auch kritische Stimmen gegeben – etwa, ob so etwas in einer Apotheke sein müsse. „In meiner schon“, sagt Faßbender. „Gerade nach dem Vorfall in Berlin finde ich solche Aktionen sehr wichtig.“ Ziel sei es, das Ungewöhnliche im Alltag zeigen, Berührungsängste nehmen und Verständnis schaffen. Die Menschen müssten nett zueinander sein. „Das ist jetzt keine so harte Botschaft und sollte für alle gelten. Religion und Politik lassen wir in der Apotheke draußen – da wird jeder gleichbehandelt. Aber das war eine Aktion der Liebe und Freundschaft, was sollte also dagegensprechen.“