Nachtdienstgedanken

Tierischer Notdienst

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Berlin -

In den meisten Fällen wird im Apotheken-Notdienst hilfesuchenden Menschen geholfen: Erkältung, Magen-Darm-Beschwerden und Verletzungen zählen zu den Klassikern. Doch heute kommt eine Kundin zu Sarah an die Klappe, die im Namen der Tiere agiert und die Hilfe der Apotheke vor Ort benötigt.

Die Hitzewelle hält an und Sarah ist schon fast froh, die Nacht in der klimatisierten Apotheke verbringen zu dürfen. „Zuhause komme ich sowieso nicht zum Schlafen bei den Temperaturen“, gähnt sie und fährt die Computer hoch. Max hat es vorgezogen die Nächte im Kühlschrank statt in der Laborschublade zu verbringen. „So bin ich am nächsten Tag abgekühlt und vorbereitet für alle Cremes und Salben die gemacht werden müssen.“ Für den bevorstehenden Dienst hat er sich randvoll mit Eiswürfeln befüllt.

Den Anfang macht eine junge Frau: Sie hat eine ganze Liste an Medikamenten und Hilfsmitteln, die sie benötigt. „Also zunächst einmal brauche ich Ein- und Zweimilliliter-Spritzen“, sagt sie. Auf die Frage wie viele sie benötigt folgt eine zögerliche Antwort: „Hmm, so 50 Stück, wenn es geht?“ Sarah stockt kurz, scheinbar sind ihre Gesichtszüge völlig unkontrolliert entgleist. „50 Stück?!“, fragt sie etwas schockiert. Die junge Frau lächelt kurz und klärt die Situation auf: „Nicht für das, was Sie denken“, lacht sie. „Ich betreibe eine Wildtierhilfe und eben sind einige Notfälle eingetroffen.“

Sarah ist sichtlich erleichtert, der Kauf von Spritzen und Kanülen hat doch immer einen bitteren Beigeschmack. Zum Glück hat Sarahs Apotheke immer einen Karton auf Vorrat, die Spritzen sind also schnell besorgt. „Weiter geht es mit Simeticon“, sagt die Kundin. „Haben sie etwa auch noch einen Säugling mit Verdauungsproblemen?“, lacht Sarah. „Nein, nein, das ist auch für die Tiere“, grinst die junge Frau. „Nager und Kaninchen haben oft einen empfindlichen Magen-Darm-Trakt. Da kommt es schnell zu Verstopfungen oder Luft im Bauch. Deshalb hätte ich gern auch noch eine kleine Flasche Lactulose für alle Fälle.“

Der Einkaufszettel nimmt kein Ende: „Ringerlösung und eine Elektrolytmischung brauche ich auch noch.“ Sarah findet das Engagement großartig: Sie hat selbst einen Hund und zwei Katzen zu Hause und weiß, wie groß die Sorge um die Vierbeiner sein kann. „Nicht nur wir leiden unter den Extremtemperaturen“, erklärt die Tierschützerin. Auf ihrer „Station“ nimmt sie alles an Notfällen aus der Umgebung auf und päppelt sie auf, bis sie wieder in die Wildnis können.

„Heute habe ich eine Maus mit einer Vergiftung gebracht bekommen, deshalb brauche ich noch Vitamin K zum Spritzen.“ Als Sarah alle benötigten Medikamente und Utensilien zusammengesucht hat, packt sie alles in eine große Tasche. Zusätzlich gibt sie ihr Desinfektionstücher aus der Zugaben-Schublade mit. „Die können Sie bestimmt brauchen.“ Die Kundin ist sehr dankbar und nimmt die Tücher gern entgegen. „Es macht mir wirklich Spaß den Tieren zu helfen und etwas Gutes zu tun, so wie sie hier im Notdienst“, sagt sie. Ihr Gähnen kann sie dennoch nicht zurückhalten. Sarah muss grinsen.

„Oft schlafe ich die halbe Nacht nicht, weil ich alle zwei Stunden Medikamente verabreichen muss“, erklärt die junge Frau. „Mir geht es also ähnlich wie ihnen“, sagt sie. Sarah hat für diese Nacht wohl eine Leidensgenossin gefunden, die ebenso wenig Schlaf findet wie sie. Doch was macht man nicht alles, um anderen zu helfen. Bevor die junge Frau ihre Autotür schließt, kommt sie noch einmal zur Klappe: „Nur für alle Fälle“, sagt sie und reicht Sarah ihre Visitenkarte.

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