Christine Kornblum möchte Apothekerin werden. Mitten im Pharmaziestudium erhält sie die Diagnose Multiple Sklerose (MS). Ein Praktisches Jahr (PJ) – das derzeit nur in Vollzeit abgeleistet werden kann – kommt für sie nicht mehr in Frage. Seitdem kämpft Kornblum dafür, dass Pharmaziestudierende – genau so wie Medizinstudierende – ein Recht auf ein PJ in Teilzeit erhalten.
Kornblum habe in den vergangenen zwei Jahren mit den unterschiedlichsten Institutionen und Politiker:innen Kontakt aufgenommen. „Angefangen hat es mit Herrn Lauterbach, als er noch SPD-Gesundheitsminister war.“ Dann zerbrach die Koalition.
Vom Büro wurde ihr aber noch geraten, eine kleine Anfrage im Landtag in NRW zu stellen. Das Ergebnis: Die Landesregierung befürworte die Schaffung von Teilzeitmöglichkeiten und werde sich „weiterhin konstruktiv an dem Austausch beteiligen.“ Aber: „Aufgrund des eindeutigen Wortlautes von § 4 AAppO ist es ohne die notwendige Änderung der AAppO rechtlich ausgeschlossen, Studierende mit Betreuungs- oder Pflegeverantwortung durch die Ermöglichung von Teilzeitmodellen zu unterstützen.“
Auf Landesebene ging es also nicht weiter. Deshalb wandte sich Kornblum an NRW-Gesundheitsminister Laumann, „in der Hoffnung, dass er etwas bewegen kann, weil es ja Bundessache ist.“ Er habe sich Zeit für eine ausführliche Antwort an sie genommen, „mir aber auch erklärt, dass es Sache des BMG ist.“
Also wandte sich Kornblum immer wieder ans Bundesgesundheitsministerium (BMG). „Zuerst erhielt ich Antworten, in denen für meine Anregung gedankt wurde. Das ist aber keine Anregung, das ist eine Notwendigkeit“, betont Kornblum. Sie antwortete wieder auf wieder auf die Schreiben und erklärte genau, warum ihr Anliegen wichtig und beachtenswert sei.
Irgendwann blieben die Schreiben aus dem BMG aus – aber die Studierende insistierte weiter: „Ich habe gesagt, wenn Sie mir jetzt nicht mehr antworten und mich ignorieren, tut das niemandem gut.“
Tatsächlich meldete sich darauf der zuständige Referatsleiter, Thiemo Steinrücken. „Mit ihm stehe ich seitdem im Austausch.“
Einen Nachteilsausgleich habe sie – neben anderen Unterstützungen – problemlos von ihrer Universität in Münster erhalten. Es sei das eine, gesund zu sein. „Für mich als Mutter ist es darüber hinaus auch wichtig, gesund zu bleiben. Es bringt niemandem etwas, wenn ich das Studium nie zu Ende mache – es aber könnte, wenn die Studienbedingungen einheitlich wären.“ Ein PJ in Teilzeit ist im Medizinstudium schon länger möglich.
Aktuell stehen noch zwei Klausuren für Kornblum an nebst dem zweiten Staatsexamen. Ihr Studium wegen der MS aufzugeben komme für Kornblum nicht in Frage. „Auch wenn ich das Studium durch die Erkrankung in einem anderen Tempo machen muss, möchte ich weiterhin diesen gesellschaftlich wichtigen Beruf der Apothekerin ausüben.“
Erst sei sie noch davon ausgegangen, das PJ „irgendwie in Vollzeit zu schaffen“. Durch das Fortschreiten ihres Krankheitsbildes sei das aber nicht mehr möglich. „Dadurch ist mir überhaupt erst aufgefallen, dass ein praktisches Jahr in Pharmazie in Teilzeit gar nicht erlaub ist.“
Wahrscheinlich gelinge es ihr zwar, dass eine Absolvierung des PJ in Teilzeit „für mich durch einen persönlichen Antrag bei dem Landesprüfungsamt in Düsseldorf genehmigt wird.“ Das reiche Kornblum aber nicht. „Ich möchte, dass das für jeden möglich ist.“ Sie befinde sich in einer privilegierten Lage. „Mein Mann verdient gut als Arzt und ich kann unsere Tochter betreuen. Viele andere – die in ähnlichen Situationen sind – erleben deutlich herausforderndere Situationen“, schätzt sie selbst.
Sie wisse von anderen Studierenden mit Mehrbelastung, dass das PJ kaum stemmbar sei. „Dabei geht es nicht darum, dass es anstrengend ist – sondern schlichtweg ungesund. Aber es gibt aktuell keine andere Möglichkeit für viele, es einfach irgendwie zu versuchen.“
Das Ministerium erklärt auf Nachfrage: „Das Bundesministerium für Gesundheit prüft derzeit eine Änderung der entsprechenden Regelung in der Approbationsordnung für Apotheker.“