Karin Wahl

Von der Kammerpräsidentin zur Buchautorin

, Uhr
Berlin -

Mit ihrem Buch „Rezeptfrei – Apothekengeschichten mit Risiken und

Nebenwirkungen“ wagt sich die Apothekerin Karin Wahl auf neues Terrain:

die Unterhaltung. In dem Buch berichtet Wahl Schönes, Rührendes und

Tragisches aus ihrem Alltag in der Offizin. Dabei kann sie auf einen

langen Erfahrungsschatz zurück blicken: 33 Jahre lang hat Wahl Patienten

über bis zu drei Generationen begleitet. In Berlin setzte sie sich

politisch für die Apothekerschaft ein. Inzwischen ist Wahl

Unternehmensberaterin und Autorin, und wirbt auf diese Weise für den

„wunderbaren“ Beruf Apotheker.

Karin Wahl wurde 1950 geboren. Sie wollte zunächst Lehrerin werden und studierte Biologie und Chemie an der Universität Hohenheim. „Da das Studium sehr zeitaufwändig war, konnte ich nicht nebenbei jobben gehen und bekam immer wieder Ärger mit meinem Vater wegen des lieben Geldes“, erzählt Wahl.

Als sie es satt hatte, fragte sie in einer kleinen, ihr bekannten Apotheke in Stuttgart an, ob sie dort als Praktikantin arbeiten könnte – „was glücklicherweise der Fall war“. Wahl exmatrikulierte sich in Hohenheim und stand seitdem finanziell auf eigenen Beinen. „Ich zahlte an meinen Vater sogar noch Geld für Kost und Logis, so lange ich noch zu Hause wohnte, da ich meinen Stolz hatte und ihm zeigen wollte, dass ich mein Leben auch ohne ihn durchziehen konnte“, so Wahl.

1970 schloss Wahl ihre Lehre mit dem Vorexamen ab. Anschließend studierte sie in Karlsruhe und Heidelberg. „Ich finanzierte mein Pharmaziestudium selbst, arbeitete jede freie Stunde, trug alles verdiente Geld auf mein Postsparbuch und hob dort 10 DM pro Woche zum Leben wieder ab“, erzählt Wahl.

Nach dem Studium wollte Wahl eigentlich promovieren und dann in der Industrie arbeiten. Stattdessen war sie die erste ihres Jahrgangs, die eine eigene Apotheke leitete: Die Leiterin ihrer Lehrapotheke hatte 1977 eine größere Apotheke geerbt und Wahl gefragt, ob sie nicht ihre Apotheke übernehmen würde. Wahl ergriff die Chance.

„Am ersten Tag hatte ich 28 Kunden“, erzählt Wahl. Dass der Umsatz ihrer Apotheke eigentlich viel zu klein war, wurde ihr allerdings erst viel später klar. „Ich bin mit 26 Jahren – ohne Ahnung von Betriebswirtschaft – selbstständig geworden.“ Wahl belegte Kurse in Management, Marketing und Personalführung – und machte ihre Apotheke zu einer der 40 größten in Baden-Württemberg.

Seit 1976 engagierte sich Wahl ehrenamtlich im Apothekerverband Baden-Württemberg, von 1980 bis 1984 war sie im Vorstand des Verbands. Als sie ihr Kind bekam und auch in der Apotheke immer mehr zu tun war, legte Wahl ihr Amt zunächst nieder. 1998 wurde sie als erste Frau Präsidentin der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg und behielt dieses Amt bis 2002. Von 2000 bis 2004 war sie Vorstandsmitglied der Bundesapothekerkammer.

In dieser Zeit gab es viele Einschnitte in ihrem Leben: 2002 wurde bei Wahls Ehemann ein Nierentumor festgestellt, und auch sie selbst hatte mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. „Das war eine schwierige Zeit – man wollte es allen recht machen”, sagt Wahl heute. Schweren Herzens entschied sie sich deshalb für die Familie und gegen das Ehrenamt.

Nach dem Tod ihres Mannes entschied sich die Pharmazeutin, beruflich kürzer zu treten, um ihre eigene Gesundheit zu schonen. 2005 verkaufte sie ihre Apotheke und nahm Abschied von Mitarbeitern, die für sie „wie eigene Kinder“ waren und Kunden, die sie jahrelang begleitet hatte. Wahl sieht sich selbst nach wie vor als Apothekerin mit Leib und Seele, auch wenn sie nur noch selten in der Offizin steht.

Heute ist sie als Unternehmensberaterin tätig und hilft anderen Apothekern in Management- und Marketingfragen. Zu diesem Themen hat sie bereits zwei Sachbücher verfasst. Und sie will ihren Kollegen Mut machen, ihr Selbstwertgefühl wieder herzustellen. „Ich stelle sehr viel Frust bei Kollegen fest, und sage denen dann immer: Schieben Sie das alles mal weg, und denken Sie daran, wo Sie Kunden helfen konnten“, so Wahl.

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