Dry January

Kurzzeitiger Alkoholverzicht bringt nicht viel dpa, 21.11.2018 08:43 Uhr

Berlin - Die Raketen fliegen, die Sektgläser klirren aneinander – zum vorerst letzten Mal. Einen Monat ohne, das schafft man doch bestimmt. Auf Alkohol zu verzichten, ist ein beliebter Vorsatz zum Jahreswechsel. 2017 gaben in einer Forsa-Umfrage für die Krankenkasse DAK 12 Prozent der Befragten an, dass sie 2018 weniger Alkohol trinken möchten. Warum also nicht mit einem rauschfreien Monat starten?

Seinen Alkoholkonsum überhaupt erstmal kritisch zu reflektieren, das hält Christina Rummel von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) für eine gute Idee. Der Verzicht ist auch eine psychologische Probe. „Wenn man in diesem Dry January merkt, dass man es nicht schafft, seinen Alkoholkonsum zu reduzieren, kann dies ein Anstoß sein, sich Hilfe zu holen.“ In diesem Fall hätte der Vorsatz auf jeden Fall einen Effekt.

Dass zeitweiser Alkoholverzicht aber tatsächlich langfristig positiv – zum Beispiel entgiftend – auf den Körper wirkt, ist nur schwer nachweisbar. „Die Evidenz ist gering, es gibt kaum Studien“, sagt Professor Christian Sina, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Lübeck.

Trotzdem befürworten die Experten einen Verzicht. Denn es gilt der Grundsatz: Je weniger Alkohol, desto besser. Das Krankheitsrisiko für Erwachsene ist laut DHS für Frauen ab zwölf Gramm reinem Alkohol pro Tag nachweislich erhöht. Das entspricht etwa 0,3 Litern Bier. Bei Männern ist der Schwellwert doppelt so hoch. Welche Form des Alkohols man trinkt, spielt keine Rolle.

Umso wichtiger dafür bei diesen Zahlen: „Auch wenn man weniger trinkt, ist das Risiko für gesundheitliche Folgen nicht gleich Null“, sagt Professor Dr. Volker Ellenrieder, Direktor der Klinik für Gastroenterologie der Universitätsmedizin Göttingen. Wer aber mehr Alkohol trinkt, kann damit seinem Körper schaden – vor allem der Leber. „Je mehr man vorher getrunken und die Leber geschädigt hat, desto mehr Zeit braucht das Organ, um sich zu erholen“, erklärt Ellenrieder. Ein Verzicht auf Alkohol kann deshalb zumindest einigen Menschen helfen – vier oder acht Wochen Verzicht seien gut.

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