Wenn die meisten Menschen ihren Feierabend genießen, ist für viele kleine Betriebe und Selbstständige oft noch lange nicht Schluss. Dass ausgerechnet die Kleinunternehmer, die das Rückgrat der Gesellschaft seien, von der Politik kleingehalten und gegängelt werden, will Inhaberin Daniela Hänel nicht länger hinnehmen. Sie ruft bei Facebook zum gemeinsamen Widerstand auf.
„Es ist spät am Abend. Die Stadt schläft, aber in den Backstuben brennt Licht, in den Werkstätten werden noch Rechnungen geschrieben, und in den kleinen Läden, Apotheken oder Praxen sitzen wir über der Buchhaltung, haben Notdienst oder erledigen noch Aufträge“, beginnt Hänel ihren Beitrag auf Facebook. „70 Stunden Arbeit pro Woche sind für uns kein Schlagwort, sondern unsere Lebensrealität.“
Sie schreibe als Apothekerin, meine aber alle Berufe: „Den Meister im Handwerk, die Inhaberin des kleinen Ladens um die Ecke, den Landwirt, den Familienunternehmer, den niedergelassenen Arzt, die medizinische Therapeutin, diejenigen, die selbst und ständig tätig sind“, schreibt die Inhaberin einer Apotheke im sächsischen Zwickau und 1. Vorsitzende der Freien Apothekerschaft (FA).
Diese Teile der Gesellschaft seien diejenigen, die das volle Risiko trügen – bei voller staatlicher Belastung. „Wir zahlen die Höchstsätze, wir stemmen die Steuerlast, wir sorgen privat vor – und wir sind die Ersten, die haften, wenn es schiefgeht.“
Das sei auch in Ordnung, weil man an den Wert von Leistung glaube. „Aber heute stehen wir zusammen an einem Punkt, an dem dieser Glaube zerbricht“, so Hänel. Inzwischen müsse flächendeckend jeder Cent umgedreht werden, Mitarbeiter könnten kaum gehalten werden, während der ein oder andere Politiker „sich selbst Diäten erhöht und uns mit ‚administrativen Ratschlägen‘ belehrt“.
Es gebe die Welt der gesicherten Pensionen und der bürokratischen Theorie und auf der anderen Seite den „täglichen Kampf um Existenz, gegen Lieferengpässe, gegen eine Lawine aus Vorschriften und gegen das Gefühl, nur noch die Melkkuh der Nation zu sein“. Hänel befürchtet aufgrund der Lehren aus der Geschichte einen tiefen gesellschaftlichen Bruch: „Wenn die Hoffnung derer stirbt, die jeden Tag 12 oder 14 Stunden schuften, dann verliert ein Land seine Seele.“
Ihre Haltung ist klar: „Wir sind keine Bittsteller. Wir sind das Rückgrat dieses Landes“, meint Hänel und ruft die Selbstständigen berufsübergreifend auf: „Lasst uns unsere Stimme gemeinsam erheben!“ Man solle ihren Beitrag teilen, um zu zeigen, um wie viele Kleinunternehmer es hier gehe.
An die Politik gewandt schreibt sie: „Hört auf, über uns zu entscheiden, ohne unser Leben zu kennen. Schaut euch unsere Hände an, schaut auf unsere Arbeitsstunden. Wir sind kurz davor, das Licht auszuschalten. Und wenn wir gehen, dann geht in diesem Land endgültig das Licht aus.“
Hänel sagt, sie habe interessiert, „wie viele Stunden da zusammenkommen“ bei den verschiedenen Selbstständigen mit kleinen Unternehmer:innen. Sie habe viele Rückmeldungen bekommen, ihr Beitrag erzielte eine hohe Reichweite: 364 Likes und 361 Mal wurde er geteilt (Stand 23. April).
Ihrer Meinung nach ähnelt die aktuelle Lage in vielerlei Hinsicht der Wendezeit. „Das Volk begab sich auf die Straße. Politisch ging ja nichts mehr, der Staat war pleite. Faktisch ist er auch heute wieder pleite. Alle Menschen regen sich auf, alle sind frustriert über die Politik. Was muss noch passieren, dass das Volk wieder auf die Straße geht?“