Impf-Apotheker: „Ich bin auf böse Kommentare gefasst“

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Berlin - Covid-19 ist ein Dauerthema in vielen Apotheken – nicht nur wegen der aktuellen Zertifikatsausstellung. „Die Kunden erzählen seit dem Winter von ihren eigenen Corona-Erkrankungen oder Todesfällen im Bekanntenkreis“, sagt Christian Mahr aus dem brandenburgischen Wustermark. Der angestellte Apotheker appelliert an jeden, sich gegen das Virus impfen zu lassen.

Die Impfbereitschaft der Deutschen nimmt ab. Während zu Spitzenzeiten täglich noch mehr als 1,4 Millionen Dosen (9. Juni) verimpft wurden, sind es aktuell rund 275.000 (2. August). Als Mahr vom Parteigenossen und SPD-Landtagsabgeordneten Johannes Funke gefragt wurde, ob er nicht für das Impfen gegen Covid-19 werben wolle, war er sofort dabei. Die Immunisierung ist für den Approbierten ein wichtiger und zentraler Schritt, um das Virus einzudämmen und sich selbst zu schützen. Deshalb unterstütze er Funke. In der Apotheke erlebe er, dass die Erkrankung schlimme Folgen haben kann: „Es gibt viele, die Long-Covid-Symptome zeigen. Die Schilderungen sind teilweise sehr krass“, sagt er. Viele Kund:innen berichteten zudem von Todesfällen in der Familie und im Bekanntenkreis.

Im Beratungsgespräch komme das Thema „Coronavirus“ täglich vor, so Mahr. „Das hat sich seit der ersten Welle deutlich geändert, damals kannte keiner jemanden, der erkrankt war.“ Jetzt gebe es viele Kund:innen, die ihm vom Verlust des Kurzzeitgedächtnisses, Kurzatmigkeit bei kleinen Anstrengungen und Erschöpfung berichteten. „Ich sage jedem Kunden, dass er sicher erkranken wird, wenn er sich nicht impfen lässt.“ Mahr hofft, dass er die Menschen als Apotheker über eine Vertrauensbasis mit guter Beratung zur Impfung bewegen kann. „Ich versuche, mit Fakten zu überzeugen.“

Auf Impfgegner ist er in der Offizin bisher noch nicht gestoßen. „Skeptiker trauen sich vielleicht nicht, etwas zu sagen“, so Mahr. Nicht viele Menschen seien „laut“ dagegen. „Ich bin aber auf böse Kommentare gefasst.“ Im Bekanntenkreis gebe es Impfgegner. Die Gespräche mit ihnen seien „anstrengend“. Das Argument, die Impfung schade der Gesundheit, könne er fachlich und aus eigener Erfahrung nicht teilen: „Ich habe noch von keinem gehört, dass etwas Schlimmes passiert ist und er ins Krankenhaus musste.“ Impfreaktionen wie leichtes Fieber seien normal. Bei einer Erkrankung wisse man allerdings nie, wie sich Covid-19 entwickle. „Die Krankheit nimmt keine Rücksicht.“

Von einer Impfpflicht hält Mahr wenig: In der ganzen Diskussion müsse der Druck herausgenommen werden. Die Skeptiker müssten mit Argumenten und Aufklärung überzeugt werden. „Angela Merkel hätte mehr Vertrauen schaffen müssen“, kritisiert das SPD-Mitglied. Er hätte sich von der Bundeskanzlerin eine regelmäßige Medienpräsenz mit einer direkten Ansprache der Bevölkerung gewünscht. Auch Impfprämien wie eine „kostenlose Bratwurst“ oder Geld seien fraglich. Wenn sie jedoch letztlich zum Erfolg führten, könne er nichts dagegen sagen.

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