Eröffnung zwischen Lockdowns

Ein Jahr Apotheke: Zwischen Wahnsinn und weiter so

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Berlin -

Eine ausgebremste Eröffnung, Testwahnsinn und 70-Stunden-Wochen: Claudia Prem eröffnete vor einem Jahr – mitten in der Coronazeit – ihre erste Filiale in München. „In der Summe betrachtet, war es eine sehr anstrengende Zeit“, sagt die Inhaberin der Eugen-Apotheke. Rückblickend würde sie es trotzdem wieder tun.

Prem beschäftigte sich bereits länger mit der Idee, eine Filiale zu eröffnen. „Das war schon immer mein Wunsch. Ich war an zwei Projekten dran, aus denen dann aber nichts wurde“, sagt sie. Dann sicherte sie sich die Flächen im neuen Wohngebiet Prinz Eugen Park im Stadtteil Oberföhring. Dort entstanden rund 1800 Wohnungen für rund 4000 Menschen. „Wir hätten eigentlich im Dezember 2019 eröffnet, aber es gab bauliche Verzögerungen.“ Heute ist sie darüber froh. Denn bei den neuen Herausforderungen angesichts der Pandemie wie Masken- und Desinfektionsmittelbeschaffung habe sie sich auf die Hauptapotheke fokussieren können. „Ich war glücklich, dass ich die Apotheke am Laufen halten konnte.“

Ihre Pharao-Apotheke in München ist etabliert, Prem führt sie bereits seit 20 Jahren. Ein großer Vorteil: Ohne diese Erfahrung wäre die Neugründung in der Corona-Zeit nicht machbar gewesen, sagt sie. Zudem konnte sie dort das neue Personal einarbeiten, bevor es in die Filiale überwechselte. „Glücklicherweise musste ich keine neuen Mitarbeiter in der Corona-Zeit suchen.“ Mittlerweile gebe es jedoch wieder Engpässe, was die Abläufe erschwere. „Ich suche händeringend eine PTA.“

Wie die Pharao-Apotheke liegt auch die neue Filiale in einem Wohngebiet. Zur Kundschaft zählen viele Familien, die sich in dem Neubaugebiet niedergelassen haben. Die Hauptapotheke sei bereits als „babyfreundlich“ zertifiziert, für die Filiale habe Prem es noch nicht geschafft. Überhaupt gebe es mehrere Dinge, die noch nicht abgehakt sind: „Auf meinem Schreibtisch liegt noch etwas Arbeit.“ Dazu zählten etwa die Kontrolle der Großhandelsrechnungen oder bauliche Themen wie neue Eingangstüren. Prem sieht es gelassen. „Die Zeit dafür wird kommen. Ich muss jeden Tag neue Prioritäten setzen.“

Wie viele andere Inhaber:innen war auch Prem in den vergangenen Monaten mit neuen Corona-Themen wie die Führung von Teststellen beschäftigt. „Wir hatten in Höchstzeiten 400 Tests pro Tag, das hat einen schon vor Herausforderungen gestellt“, sagt sie. Sie stellte dafür 20 neue Mitarbeiter ein, auch dieses Team müsse organisiert werden. „Ich arbeite seit anderthalb Jahren zwischen 60 und 70 Wochenstunden. Das merkt man irgendwann.“

Nervig seien vor allem diese kurzfristigen Entscheidungen, die sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einfallen lasse. Dennoch würde sie ihre Entscheidung zur Filiale nicht revidieren – alleine wegen des Standortes habe sich die Neugründung gelohnt.

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