Ärztetag

Belästigungsvorwürfe: „Mutig und absolut richtig“

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Berlin -

Nach den Berichten über mutmaßliche sexuelle Belästigung beim Deutschen Ärztetag in Hannover hat die Bundesärztekammer (BÄK) Hilfe versprochen. Es bestehe ein enger Austausch mit der Vertretung der Medizinstudierenden und den Betroffenen sei selbstverständlich Unterstützung zugesichert worden. Mit einer gemeinsamen Erklärung der BÄK und aller Landesärztekammern will die Ärzteschaft hier noch einmal gemeinschaftlich Gesicht zeigen; die Schilderungen machten „tief betroffen“. „Wer die Würde und persönliche Integrität anderer missachtet, verletzt grundlegende Werte ärztlichen Handelns: Respekt, Verantwortung und Achtung gegenüber Mitmenschen“, heißt es.

Eine Gruppe von Medizinstudierenden hatte in einer Rede von übergriffigem Verhalten vor Ort berichtet. Sie haben Kommentare über ihr Äußeres, ihre Ausschnitte, Hände auf Gesäß und Rücken, über Einladungen auf Hotelzimmer sowie sexistische Gesprächssituationen geschildert.

Vorwürfen folgte intensive Debatte

Den fünf weiblichen Mitgliedern der Delegation seien während des dreitägigen Treffens in Hannover derartige Übergriffe passiert, hieß es in der Erklärung der Studentinnen. Laut BÄK folgte noch am Freitag „eine intensive Debatte auf dem Ärztetag über Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen im Gesundheitswesen“.

Strafrechtliche Ermittlungen gibt es bisher nicht. Weder bei der Polizei noch bei der Staatsanwaltschaft Hannover liegen Anzeigen oder Strafanträge vor, wie beide auf Anfrage der dpa mitteilten. Sexuelle Belästigung wird laut Strafgesetzbuch mit Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

„Ausgesprochen mutig und absolut richtig“

„Grenzüberschreitendes Verhalten, sexuelle Belästigung sowie jede Form verbaler oder körperlicher Übergriffe sind absolut inakzeptabel und mit dem Selbstverständnis unseres Berufs unvereinbar“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Ärztekammern. Dass die Student:innen die Vorfälle öffentlich gemacht haben, sei „ausgesprochen mutig und absolut richtig“. Die BÄK stehe an der Seite der Betroffenen und werde auch mit unabhängiger juristischer Beratung unterstützen.

„Die anschließende intensive Debatte auf dem Deutschen Ärztetag hat verdeutlicht, dass Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt im Gesundheitswesen in unterschiedlichen Kontexten vorkommen und nicht verleugnet oder verdrängt werden dürfen. Fehlverhalten muss sichtbar gemacht, klar benannt und konsequent aufgearbeitet werden.“ Nur so könne frühzeitig dagegen vorgegangen werden. Beim Ärztetag in diesem Zusammenhang zahlreiche Beschlüsse gefasst worden. Sie sollen Mittel und Wege ermöglichen, um Aufarbeitung, Prävention und konsequentes Handeln bei Fehlverhalten zu stärken.

„Dazu gehören insbesondere:

  • die Entwicklung verbindlicher Verhaltenskodizes insbesondere für Teilnehmende unserer Veranstaltungen,
  • die verbindliche Verankerung entsprechender Vorgaben in Satzungen und Geschäftsordnungen,
  • die Etablierung von Awareness-Konzepten für den Deutschen Ärztetag und andere große Veranstaltungen sowie
  • die Benennung unabhängiger Vertrauenspersonen (Ombudspersonen) als niedrigschwellige Anlaufstellen für Betroffene.“

Aus den geschilderten Vorfällen sollen konsequent strukturelle Lehren gezogen werden – „der Deutsche Ärztetag muss ein Ort sein, an dem sich alle Teilnehmenden sicher und respektiert fühlen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Position“. Für derartiges Fehlverhalten gebe es keinen Platz. „Das Thema ‚Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung‘ wird ein Schwerpunktthema auf dem kommenden Deutschen Ärztetag sein“, heißt es abschließend in der gemeinsamen Erklärung.

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