150 Anrufe und 100 E-Mails am Tag

Apotheker sucht 40 Mitarbeiter:innen

, Uhr
Berlin -

Mit den neuen Dienstleistungen steigt auch die Belastung der Teams in Apotheken. Das ohnehin angespannte Personalthema bereitet so manchem Inhaber und so mancher Inhaberin Kopfschmerzen. Auch Apotheker Michael Hult ist seit Monaten auf der Suche – er benötigt 40 neue Angestellte, davon rund 20 pharmazeutische Fachkräfte sowie weitere Mitarbeiter:innen für Test- und Impfstellen. „Ich nehme jeden Apotheker mit Handkuss.“

Hult stellt sich in den sozialen Netzwerken vor. Bei Instagram veröffentlichte der Juniorchef der „Deine Paracelsus Apotheke“ in Böblingen jüngst einen Aufruf. Er sucht 40 Voll- und Teilzeitkräfte – und zwar die gesamte Bandbreite: Apotheker:innen und PTA sowie MFA und Helfer:innen im Testzentrum und Impfstützpunkt. In der Apotheke werde dringend Unterstützung im Kundenbereich, aber auch im Backoffice benötigt, sagt er in einem Video. Dort klingelten die Telefone „heiß“ und es kämen „massenhaft E-Mails rein“.

Die neuen Dienstleistungen der Apotheke wie das Ausstellen der digitalen Impfzertifikate oder Antikörpertests erforderten mehr Personal. „Jeden Tag kommen 50 Kunden mehr. Für unser Stammpersonal sprengt das den Rahmen.“ Pro Tag seien rund 300 Kund:innen in der Offizin, die einen Kassenvorgang auslösten. Dazu kämen rund 100 Menschen, die ein digitales Impfzertifikat wollten. Für die Apotheke, die seinem Vater Jürgen Gaupp gehört, suche er seit einem Dreivierteljahr „dringend“ Personal. Die Situation sei sehr schwierig, betont Hult.

Weil Approbierte und PTA rar sind, werde er die Arbeit umstrukturieren. „Wir werden mehr Backoffice-Mitarbeiter einstellen, damit sich die pharmazeutischen Fachkräfte auf ihre Kerntätigkeit konzentrieren können. Sonst schaffen wir es nicht mehr.“ Hult plant eine neue Abteilung für Einkauf, Wareneingang, Telefondienst und Bestellungen durch Endkund:innen einzurichten. Das sei vor allem mit Blick auf das E-Rezept wichtig.

„Wir bekommen schon jetzt 150 Anrufe und 100 E-Mails am Tag.“ Mit dem E-Rezept würden die Nachfragen sicher um 10 Prozent steigen, schätzt er. Wenn es nach ihm ginge, würde er sofort 20 pharmazeutische Fachkräfte einstellen. Momentan sind in der Apotheke zehn Mitarbeiter tätig. Da er zum Jahreswechsel eine Apotheke übernehme, benötige er auch dafür mehr Personal.

Dass ihn der Fachkräftemangel auch treffen werde, habe er vor drei Jahren nicht erwartet, als er das Pharmaziestudium beendet hat. „Ich dachte, ich bin jung und motiviert und werde keine Probleme haben.“ Doch bereits an der Universität habe sich abgezeichnet, dass viele jungen Apotheker:innen in die Industrie abwanderten und nicht in die Vor-Ort-Apotheke wollten. „Die Apotheke wird nicht als attraktiv angesehen.“ Bei ihm sei das anders, er sei mit Leidenschaft dabei.

Ein Problem sei, dass junge Menschen keinen Bezug zur Apotheke hätten. „Das Verständnis für unsere Arbeit ist nicht da.“ Er hofft, dass mit den neuen Dienstleistungen für Apotheken wie Grippe- und Covid-19-Impfungen die Apotheke als Arbeitsplatz attraktiver werde. Momentan sehe es in der Realität aber so aus, dass Personal erst frei werde, wenn eine Apotheke schließe.

Mit der sprunghaft gestiegenen Nachfrage nach Antigen-Schnelltests und Impfungen werde auch für diese Bereiche Personal gesucht. In Sindelfingen hilft Hult gemeinsam mit Apothekerkollegen wie Dr. Björn Schittenhelm bei der Organisation des Impfstützpunkts. Dafür wolle er pharmazeutische Fachkräfte anstellen, die die Spritzen aufziehen, und MFA, die impfen. „Es gibt massenhaft Stellen.“ Zudem erweitert Hult gerade die eigenen Testkapazitäten. „Auch dafür brauchen wir Vollzeitkräfte.“

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